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Showberichte
Schon der Name "Dance in Concert" hat uns neugierig gemacht, und als wir dann in Leipzig angekommen waren, erwartete uns eine kleine, eine feine und eine höchst ungewöhnliche Veranstaltung. Ins Leben gerufen von Natalie Pichler-Hagge wollten sich auf ihrer Bühne klassischer Orientalischer Tanz mit Modern Ballett und Live-Musik vereinen. Also etwas Hochdramatisches mit Ehrgeiz und Gefühl. Um es vorwegzunehmen, unsere Erwartungen sind sogar noch übertroffen worden.
Emotion Ensemble
Den Anfang macht die Gruppe Nereden, ein modern besetztes Kammer-Orchester, bestehend aus Geige, diversen Schlagwerken und Cello (in der Besetzung hätte es auch eine Jazz-Combo sein können, und wie wir im Laufe des Abends noch hören sollen, ist der Vergleich gar nicht so weit hergeholt).

Ihr Eröffnungsstück ist mal klagend, mal experimentell, aber nie nur gefällig. Sie begleiten im weiteren die Tanzkünstler, und uns erwartet ein Abend mit Modern Ballett- und Orientalischem Tanz und vor allem der Fusion aus beiden.
Eliana macht, nach kurzem musikalischem Vorspiel, den Anfang, erscheint wie eine babylonische Göttin und präsentiert einen ausdrucksstarken Tribal im Modern-Ballett-Modus. Gestik und Mimik lassen ahnen, sie beklagt sich über die misslungene Schöpfung. Das Orchester unterstützt ihr Zürnen durch hartes Dur.
Zu Geige und Cello erscheint Natalies Emotion Ensemble mit Modern (Ballett), in dem, wie heute üblich, auch Zeitgenössische Elemente enthalten sind – aktuell sind die Grenzen ja fließend. Das Quintett teilt sich in zwei Gruppen, die spiegelbildlich ihre Bewegungen kopieren. Das musikalische Tempo steigert sich von Takt zu Takt, als wolle es die Tänzerinnen in die Irrsal treiben. Sogar der Orientalische Tanz kommt nicht zu kurz – vor allem im zweiten Teil -, und ab und an spielt das Orchester auch rhythmustreibend.
Zu elegischer Musik nur einer Geige zeigt sich nun Said el Amir mit einem Modern-Stück.
Bemerkenswert der Trialog, in den er mit Geige und Cello tritt,
die Musik wandelt sich, passt sich aber immer der Geschichte von innerer Zerrissenheit an, die Said uns erzählt, und nach einem Ausflug in ein leidenschaftliches und schöpferisches Trommel- solo kehrt der Meister zum Eingangsstück zurück.
Eine Vermummte, Shalymar, beginnt mit einem Ballett-Tanz, der sich über ein Trommelsolo zu einem verfremdeten Zigeunertanz fortentwickelt und wieder zum Ballett findet, bis sie wieder den Schleier nimmt und von der Bühne entschwindet.
Eine überwältigende erste Halbzeit liegt hinter uns, die zu Recht unsere volle Aufmerksamkeit abverlangte und uns immer wieder den Atem nahm.
Den zweiten Teil eröffnet Veranstalterin Natalie mit Modern-
Dance zu Streichermusik und Rhythmusinstrumenten, die Musik wartet mit kleinen Anleihen aus Fernost aus dem Balkan auf. Natalie versteht es bei ihrer Darbietung meisterhaft, OT-Bewe- gungen mit solchen des Balletts zu kreuzen Tanz enthält auch Anleihen beim Modern, bald bewegt sie sich nur noch zu leisen Geräuschen des Schlagwerks und vollführt dazu ihre Shimmies.
Noch einmal Eliana, doch jetzt mit ihrer Gruppe Liquid Lemon. Was in puppenhafter Starre beginnt, erblüht zu einem experimentellen Schleiertanz. Das Quintett wechselt sich ab, die Bewegungen werden immer verhaltener, bis frau sie nur noch andeutet und sich daraus ein Trommelsolo ergibt. Die Band führt dazu ein Eigenleben und verzerrt die orientalische Musik. Danach trifft man sich zu einem skelettierten Trommelsolo mit deutlichem Modern-Bezug. Was im Tribal und Tribal Fusion gern als Urban Dance oder Urban Street Dance firmiert entlarvt sich bei Eliana & Co. als Modern- und Tribal-Mixtur.
Lorena Galeano tanzt zum Schlussbild einen sehr exakten Balkan-Tanz auf Modern-Basis, beide Stile verschmelzen immer mehr, der Schlagzeuger lässt sich zu einem Solo hinreißen, und die Tänzerin legt sich unter dem Eindruck von Geige und Cello nieder.

Als die Streicher sich wieder zum Schlagzeug gesellen, erwacht auch die Tänzerin und setzt ihren ungehemmten Balkan-Tanz fort.
Während das Kammerorchester sich noch einmal in die Saiten, beziehungsweise die Schlagkörper legt, versammeln sich tanzend alle sonstigen Akteure des Abends, bewegen sich mal solo, mal im Duo, lassen sich von Said bitten und vereinen sich zum großen Gruppenbild. Schlussapplaus, ver- gebliches da capo-Bemühen, aus.
Ein bemerkenswerter Abend hat sein Ende gefunden, wir fühlen uns wie von einem besonderen Erlebnis berührt, und wir hoffen, daß diese köstliche tänzerische Melange eine baldige Fortsetzung finden möge.
Homepage Natalie Pichler-Hagge: www.emotion-studio.de
Photos © Konstanze Winkler, Graphik/WebDesign: Konstanze Winkler
DANCE IN CONCERT
Leipzig, 12. Juli 2013
von Marcel Bieger