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"...DIE MAL GANZ NAH ZU SEHEN!"
Europäer beim Tribal Fest 10
im kalifornischen Sebastopol

von Marcel Bieger

Im Grunde ist es für Europäer kein Ding der Unmöglichkeit, beim weltgrößten und –bedeutendsten Tribal Festival in Kalifornien aufzutreten. Aber dazu gilt es, einige logistische und organisatorische Schwierigkeiten zu überwinden, und diese Hürden sind ganz schön hoch. Und ist man dann endlich am anderen Ende der Welt angelangt, bedarf es noch einer gehörigen Portion Glück, auch einen „Slot“, eine Auftrittsmöglichkeit, zu erhaschen. Wie gesagt, es ist nicht unmöglich, aber … Drei aus Europa, die es 2010 geschafft haben, kommen hier zu Wort. Veranstalter-Paar Kajira und Chuck sind sogar froh, was Neues aus aller Welt zu präsentieren, aus Deutschland reisen 2011 z.B. die Musikertänzerinnenmädels (und der eine Herr) von „The Violet Tribe“ nach Sebastopol. Wir drücken die Daumen.

Neas Tribal beim Tribal Fest / Sebastopol 2010

Begonnen hatte das Ganze schon ein Jahr zuvor, als uns Kajira Djoumahna, die Mit-Veranstalterin von „Tribal Fest“ eingeladen hat. Diesjähriges Motto war „ A Decade of Deca Dance“.

Allein Esmea und ich vertraten Neas Tribal beim 10. Tribal Fest in Sebastopol/USA, da es für eine so große Gruppe wie der unseren leider nicht finanzierbar ist, mit allen Tänzerinnen zu fliegen. Also machten wir beiden uns auf den Weg, begleitet von Esmeas Partner. Nach der Landung in San Francisco haben wir uns gleich nach der Landung  getrennt. Esmea und Ralf wollen mit einem Leihwagen erst einmal ein bisschen was vom Land sehen, während mich Martha (Saunders) gemeinsam mit ihrem Sohn „Klein Otto“ abholte und mit zu sich nach Hause nahm.
Sie wohnt etwa 35 Meilen von San Francisco entfernt und je nach Verkehrslage braucht man für diese Strecke schon mal 2 Stunden. Manchmal stehen sie hier auf 5 Spuren kilometerlang im Stau. Die Gegend, wo Martha wohnt, sieht aus wie in der Fernsehserie Desperate Housewives, was ich total witzig fand.

Am nächsten Tag fuhren wir schon morgens früh nach Sebastopol zum Tribal Fest. Das Wetter war sonnig, aber nicht heiß, und als wir dort ankamen sahen wir einige Stände, die schon draußen aufgebaut sind. Ich suchte erstmal Kajira, die sich mit ihrem Mann Chuck freute, daß ich  angekommen bin. Die ersten Workshops liefen bereits, und ein munteres, buntes Völkchen belagerte das ganze Community Center (so etwas wie ein Bürgerhaus) welches die kommenden Tage fest in Tribalhand war. Suhaila Salimpour gab noch ihren Workshop in dem Raum, wo ich danach erfolgreich meinen ersten Workshop abhielt.

Anschließend fuhr ich wieder mit Martha zurück und am nächsten Tag ging es dann ins Fat Chance Belly Dance Studio. Es war schon aufregend, das selbst zu sehen, nachdem ich seit so vielen Jahren von FCBD inspiriert werde. Wendy Allen gab an diesem Tag Unterricht in Level 3. Sie beschloss spontan, daß ich am Unterricht teilnehmen sollte, und so lieh ich mir alles und sprang rein in die Klasse. Ich war sehr konzentriert, weil ich ja den Ablauf hier nicht kannte, alle anderen schienen sich zumindest zu kennen. Aber sie waren alle sehr nett zu mir als völlig fremder Tänzerin. Es waren auch drei Mädels von „Skin Deep“ aus Seattle da, mit denen ich zusammen tanzte. Dank ATS ist das ja alles möglich.
Erst am Freitag traf ich wieder auf Esmea, die u.a. in der Bodega Bay gewesen war (wo Hitchcock seine „Vögel“ gedreht hatte). Dann wieder zurück nach Sebastopol, denn nun liefen auch die Shows. Die fanden in der großen Turnhalle statt, wo ein stetes Kommen und Gehen herrschte. Man konnte an den Zuschauerzahlen erkennen, wenn bekanntere Namen auf der Bühne standen. Am Freitag gab es immerhin 6 Stunden Show. Und die Mädels von Skin Deep, mit denen ich gestern noch getanzt hatte, konnte ich heute auf der Bühne bewundern. Unter anderem waren am ersten Show-Tag noch Red Lotus Dance, Kami Liddle, Tribal Tique, Collena Shakti, Tempest, Princess Farhana, Zoe Jakes & Friends und Bellyfringe zu sehen. Bellyfringe ist die Gruppe von Martina Crowe, die ja nach Deutschland gezogen ist.
Am Samstag gab es dann 10 Stunden Show u.a. mit: Ariellah, Heather Stants und Urban Tribal Dance, Gypsy Caravan, Damage Control Dance Theater  und Esmea und mir von Neas Tribal. Den Abend beendeten dann Fat Chance Belly Dance. Diese Gruppe so dicht das erste Mal live zu erleben, hat mich sehr berührt, zumal ich ja nun einige von ihnen schon persönlich kannte. Für mich ging da ein kleiner Traum in Erfüllung.

Dieser Tag war überhaupt randvoll mit Eindrücken. Esmea hat mir beim Workshop geholfen und alle hatten soviel Spaß, daß Kajira hinterher meinte, sie wäre direkt neidisch geworden, wir hätten soviel gelacht und so tolle Musik gehabt. Ja, ich war auch mit den Teilnehmerinnen und mit Esmea und mir zufrieden. Wir bummelten immer durch die vielen Budengassen mit allen möglichen Tribal-Dingen, die man sonst nur übers Internet ordern kann. Aber preislich war es eher teuer, was uns etwas erstaunt hat. Dennoch mussten einige Dinge unbedingt mit.
Gabriella im FCBD Studio
Auf dem Tribal Fest Basar
Gabriella und Esmea von "Neas Tribal"
Heute hatten ja nun auch Esmea und ich unseren Auftritt, und wir waren reichlich nervös, weil wir schon so vieles hier gesehen hatten und wirklich tolle Performances auf der Bühne zu bewundern waren. Wir hatten uns für Fächerschleier entschieden und ein deutsches Stück von Peter Fox und ein zweites flottes Lied. Es kam auch ganz gut an und war, wie so oft, schneller vorbei, als man vorher gedachte hatte.
Heute hatte ich auch Carolena Nericcio persönlich kennengelernt, was für mich schon ein Erlebnis war, und sie war sehr nett und freundlich. Auch Paulette Rees-Denis habe ich wiedergetroffen, worüber ich mich sehr gefreut habe. Außerdem Cinzia von Les Soeurs Tribales. Witzig war, daß wir nach unserer Performance von einer Frau angesprochen wurden. Sie hat sich an unseren Auftritt 2005 beim Tribal Quest erinnert und das hat uns sehr gefreut.
Dann kam der letzte Tag des Tribal Fests, der Sonntag. Es gab 7 Stunden Show u. a. mit Al Hambra Tribal Dance, Ela Rogers, Black Sheep Bellydance, Rachel Brice und Hahbi Ru mit John Compton. Dazu kamen auch Sabrina und Mareike aus Offenbach, die ebenfalls das Fest besuchten. Leider haben wir uns kaum richtig gesehen, zuviel passierte hier gleichzeitig. Aber die beiden kamen gut an beim Publikum was mich freute. Erst spielte die Hahbi Ru Band, bevor dann die Gruppe auf die Bühne kam, und so was habe ich zuvor noch nicht erlebt. Soviel Energie, Spaß und Lebensfreude pur, es ist unglaublich. Die Legende John Compton ist einzigartig, er machte natürlich seine Performance mit dem Gläsertablett auf dem Kopf. Sie bekamen hinterher Standing Ovations, und ich bekam eine Gänsehaut nach der anderen.
Esmea beim Shoppen
Der große Auftritt
Gabriella und Carolena Nericcio
Alles war sehr gut organisiert. Gleich nach dem Auftritt konnte man seine eigene DVD ordern und auch Profiphotos bestellen, die wirklich klasse sind. Die Ansagen teilten sich ein Mann und eine Frau, die am Ende des Tribalfests kaum noch Stimme hatten. Umkleiden konnte man sich in einem Raum mit Spiegeln gleich nebenan, aber viele kamen schon fertig gestylt an und fast alle waren schon fertig geschminkt. Überhaupt waren alle sehr stark geschminkt und gestylt.

Es wurden 53 Workshops angeboten mit 35 Lehrerinnen, insgesamt 135 Performances gezeigt, und insgesamt gab es 23 Stunden Showprogramm. 50 und 60 verschiedene Bazar Anbieter rund um Tribal Fest. Es wurde relativ viel gezimbelt, auch von den Fusion-Tänzerinnen. Vintage-Stil ist sehr angesagt mit Viktorianischen Kostümen ebenso wie ein Revival der 50er Jahre, so wie Pin ups. Alle waren nett, offen und fröhlich.

Unmata und Verbatim beschlossen den Abend und damit das Festival. Amy Sigil und Unmata  sind völlig anders aber ebenso unglaublich. Amy hat eine Kreativität, die mich ein ums andere mal in Staunen versetzte. Ich habe mich sehr gefreut, sie hier zu treffen und Raven, ihre Partnerin kennenzulernen.
Kajira mit ihren "Black Sheep Belly Dance"
Hahbi Ru
Unmata
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Photos ©: 1 Weathervane Images (LST u Neas Tribal) & Lee Corkett,
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