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Mittendrin – die Parade
Pfingstsonntag, den 31. Mai 2009

Es liegt ganz schön Aufregung in der Luft an jenem schönen Sonntag, dem letzten im Mai. Irgendwo regnet es immer mal, aber nie bei uns, sondern nur davor und dahinter. Grüppchenweise treffen die Akteure der „Ratatouille & Friends“ ein. Aus Köln, Düsseldorf, Kerpen und Simmern, sogar aus Sachsen ist eine Gruppe dabei – Bruno hat als Treffpunkt eine Stunde früher angegeben, weil er genau wußte, daß erst eine Stunde danach alle versammelt sein würden. Und mit uns füllt sich die Aufstellungsstraße erst mäßig, dann aber regelmäßig. Vor uns Peruaner, angetan in der traditionellen Anden-Tracht. Es sind vornehmlich echte Indios. Hinter uns waschechte „Balliner“, die eher der indigenen Jugendkultur entstammen. Und dazwischen wir.

Am Anfang der Mercedes Transporter, der uns bereits hergebracht hat, am Ende der andere Mercedes-Transporter. Dazu gut zwanzig Tänzerinnen und achtzig Trommler. Und ein halbes Dutzend Personal (Ordner und ich als offizieller Berichterstatter und Photograph oder umgekehrt).

        Bruno hat alles im Griff, er läßt uns vor den Werbebannern der Sponsoren posieren, er läßt die Trommler spielen, er läßt die Tänzerinnen tanzen – und dann das Ganze bitte mit allen zusammen.

        Eigentlich sollte es gegen 13 Uhr losgehen, es wird dann eher irgendwann. Und nach hinten das beliebte Ende offen. Ein solcher Umzug läßt sich nicht auf die Minute planen. Schon gar nicht in Berlin.

Doch dann rollt der vordere Lieferwagen, und diesmal ist es keine Übung. Die Tänzerinnen sind einheitlich in Rot gekleidet, die Trommler tragen orientalische Gewandung. Die Männer haben sich alle eine Galabeja übergestreift- Ein angenehmes Kleidungsstück, dessen Luftigkeit wir im Verlauf des sehr heißen Nachmittags noch zu schätzen lernen werden.

        Zunächst geht es über für den Autoverkehr gesperrte Prachtstraßen, und immer mehr Menschen säumen die breiten Bürgersteige. Keine Frage, der „Karneval der Kulturen“ ist in Berlin ein Begriff, und er zieht viele Neugierige an. Einheimische zumeist, aber auch aus dem Umland.

        Vorneweg die Mädels, dahinter nach Gruppen geordnet die Trommler. Wenn es Musik gibt, und die gibt es von unseren Trommlern eigentlich immer, reagieren die Tänzerinnen auch darauf. So gehen sie nicht den Weg ab, nein, sie tänzeln, tanzen, drehen sich, werfen  die Arme in die Luft.

Zunächst noch nach größeren Abständen gibt Bruno Signal, und das Ganze kommt zum Stehen. Die rote Schar tanzt unter Manis’ Anleitung vor dem Publikum, bildet Reihen, löst sich in kleine Gruppen auf und dreht sich im Großen Kreuz. Das Ganze dauert ziemlich genau 90 Sekunden und ist so gut einstudiert, daß man sich wie bei einer Aufführung im Tanzhaus vorkommt. Manis ist nicht umsonst eine Choreographin von Ruf, und ihre Bearbeitungen für größere Tänzerinnengruppen stehen in Deutschland einzig dar. Deswegen wäre es eher verwunderlich gewesen, wenn es nicht klappt. Und obwohl man spürt und ahnt, wie hart geprobt worden ist, glaubt man doch, einem improvisierten Spektakel beizuwohnen, so sehr wirbelt alles durcheinander, so wenig kann man den Blick nicht davon wenden, so schön erscheint einem das alles.

Apropos spüren, die Frauen in Rot strahlen eine wirklich ansteckende Fröhlichkeit aus, die ihresgleichen sucht. Geschätzte fünfzehn Mal bieten sie dem Publikum ihren Tanz, und jedes Mal das gleiche Erlebnis. Die Menge geht begeistert mit. Und auch, wenn man den Tanz so oft zu sehen bekommt wie wir anderen in der Gruppe, er wird nie langweilig. Nicht ein Stück!

        Die Lebenslust verbreitet sich auch, wenn die Tänzerinnen sich anders als normale Menschen über die Boulevards bewegen (siehe oben) und sogar das eine oder andere Mal tanzend rennen (seit jenem Pfingstsonntag weiß ich, daß das möglich ist).

Nicht zu vergessen die besondere Leistung der Trommler, die tapfer und ausdauernd ihre Tablas bearbeiten. Angesichts der allgegen- wärtigen Techno-Beschallung aus über-dimensionalen Anlagen, die nur noch – wie hier – auf Sattelschleppern bewegt werden können, und angesichts der Folklore aus der übersteuerten Anlage der Peruaner eine wahre Heldentat, dagegen mit handge-machter Musik anzugehen. Aber vielleicht ist das ja gerade eine der besonderen Zutaten dieses märchenhaften Tages. Der Rhythmus sitzt, und er reicht völlig aus. Für das hingerissene Publikum, für uns im Troß und vor allem für die roten Mädels, die sich dazu bewegen, als hätten sie in ihrem Leben nie zu etwas anderem getanzt.

gleich geht es los...
die Spannung ist kaum noch auszuhalten...
letzter Probelauf mit Bruno
langsam steigt
die Stimmung
die Peruaner vor uns in ihren bunten Kostümen warten auf den Startschuss...
...und auch unsere Trommler sind in gespannter Erwartung
die erste Tanzdarbietung auf der Strecke...
und schon wieder wird getanzt...
mal in Reihen...
mal in Kreuzformation...
...aber auch im Kreis
überall strahlende Gesichter...
und Faxen werden auch gemacht
Ratatouille & Co. in Aktion
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