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Photos © Konstanze Winkler
SCHÖNHEIT UND ÄSTHETIK

19. Orientalisches Festival Europas
von Leyla Jouvana und Roland

von Marcel Bieger

ABEND GALA

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Projektgruppe Leyla Jouvana
Leyla Jouvanas Projektgruppe eröffnet die Abend-Gala (hier unterscheiden sich Samstag und Sonntag nur in Nuancen von- einander). Insgesamt 18 Frauen, Leyla eingerechnet, verwandeln die Bühne in eine große Revue, tanzen in ihren knöchellangen Galabejas erstaunlich behende. Wir bekommen mitreißende Folklore zu sehen, die vor Lebenslust vibriert. 
Im Anschluß gibt es ein Wiedersehen mit Nadia Nikischenko, die sich auch in diesem Jahr wieder etwas ganz Besonderes für uns ausgedacht hat. Die begnadete russische Tänzerin beginnt mit einem Stocktanz, doch statt eines Steckens schwingt sie eine Peitsche, um ihre Herde zusammenzuhalten. Dann knattern Maschinengewehre und ertönten andere Kriegsgeräusche. Nadia reißt sich das Hirtengewand vom Leib, und darunter steckt sie in einem modernen Kampfanzug, wie ihn amerikanische und andere Verbände tragen, die auf diesem Planeten gerade irgendwo Krieg führen. Keine Frage, Nadia will uns tänzerisch die Gefahren des Krieges vorführen. Wir halten bei ihrer energiegeladen vorgetragenen Tanzgeschichte den Atem an.
Nach soviel Getöse deutlich leisere Töne, betanzt von Mira Betz, der US-amerikanischen Meistertänzerin, die sich nicht nur auf die Interpretation leiser Töne, sondern auch auf den Einsatz kleiner Gesten und angedeuteter Bewegungen versteht. Ihre Tanzkunst nimmt uns gleich so gefangen, Tribal Fusion ist ihre Sprache, und die spricht sie ohne Schnörkel und Firlefanz, und deswegen hat sie es in diesem Genre ja auch bis ganz nach oben gebracht. Eine grimmig dreinschauende Mira – einfach undenkbar.
Bollywood darf auf keinem Festival fehlen, und hier beschert uns dies das belgische Duo Maya Sapera & Laura mit einer getanzten Geschichte von der Liebe zweier Frauen zum selben Mann und wie frau dieses Problem löst (nicht unbedingt so wie in einem Sat-1-Film).
Auf einen Stargast freut man sich jedes Jahr, und das ist der chinesische Ausnahme-Tänzer Guo Wei. Der athletische Star überrascht mit einem klassischen Raks Sharki mitsamt anschließendem Trommelsolo. Doch er wäre nicht Guo, wenn sich dabei nicht immer mehr Untertöne aus dem klassischen chinesischen Tanz herausschälten, und so ergibt sich von ihm wieder einmal ein neues Gesamtkunstwerk, wie man es vorher noch nicht zu sehen bekommen hat.
Die nächste Tänzerin ist Silvia Salamanca, die energiegeladene Spanierin mit Wohnsitz in Texas, die offenbar keinen Moment stillstehen kann. Sie beginnt ihren ersten Teil mit einem Flamenco Fusion und läßt die Stiefelhacken nur so auf den Boden knallen. Als sie das beendet hat, setzt sie zu einem Trommelsolo an und bewaffnet sich auch noch mit einem Schwert, so als sei sie mit einer einfachen Darbietung noch nicht ausgelastet.
Dazu scherzt sie mit dem Publikum, gibt pantomimisch Auskunft über ihre jeweilige Stimmungslage, läßt ihren Körper unter Shimmie-Tsunamis erbeben und wiederholt die ganze Übung im Liegen. Endlich legt sie sich die Klinge auf den Kopf und führt einen Drehtanz hin, der sich gewaschen hat. Ihr scheint das alles nichts ausgemacht zu haben, aber im Publikum ist etlichen allein vom Hinsehen der Schweiß ausgebrochen.
Es gibt Menschen hierzulande, und nicht zu wenige, die vor allem und eigens für ein Trommelsolo von Leyla Jouvana in die Rheinhausenhalle kommen, das sie zur Live-Tabla-Musik ihres Mannes Roland zelebriert. Jedes neue Jahr ein Stückchen raffinierter, ausgefeilter und leidenschaftlicher. Auch in diesem Jahr werden diese Menschen – wie alle anderen im Saal auch – nicht enttäuscht, Leyla und Roland lassen es wieder so richtig auf der Bühne rundgehen
Aus Ägypten stammt Mohamed Shahin, und auch von ihm erwartet sich das Publikum großes, gilt er doch als einer der führenden Tanura-Tänzer der Welt. Doch zunächst überrascht er uns mit einer Dabke, die er kraftvoll und frohgemut vorträgt, und wir staunen, was aus dieser traditionellen Form herauszuholen ist, wenn wir sie wie hier als Solotanz dargeboten bekommen.
Leyla Jouvanas Ensemble steigert noch einmal die Erwartungen, bekommt man von ihm doch stets etwas Raffiniertes geboten. In diesem Jahr sind es mehrere Meter lange Bänder, mit denen die Tänzerinnen bunte, luftige und akrobatische Bilder erzeugen. Eine sehr hübsche und ansprechende Choreografie, und dies alles vor dem überragenden Bühnenbild Rolands – ein wahrer Augenschmaus.
Leyla Jouvana
Nadia Nikischenko (Russland)
Nadia
Mira Betz (USA)
Guo Wei (China)
Maya Sapera & Laura (Belgien)
Silvia Salamanca (Spanien/Texas)
Leyla Jouvana & Roland
Mohamed Shahin (Ägypten)
Ensemble Leyla Jouvana