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Showberichte
Photos © Konstanze Winkler
Grafische Gestaltung/WebDesign: Konstanze Winkler
Endlich wird das Licht gedämpft, und wir wissen da noch nicht, daß die „Orientale“, das älteste Festival des „tanzhaus.nrw“, zum letzten Mal über die Bühne gehen wird. Es heißt zwar auch nicht mehr so, sondern „Oriental Dance Days“, doch soll dies hier kein Nachruf sein.

Es gibt nur noch einen „ODD“-Abend, die Gala, und die eröffnet Bondok mit seinem Stocktanz. Wir staunen über seine große akrobatische Fingerfertigkeit. Selbst im Knien ist er wendig, und alle halten die Luft an, wenn er seine Stöcke in die Luft wirft und wieder auffängt. – Manis und Sinam denken sich jedes Jahr etwas Neues aus. Zur diesjährigen Show erscheinen sie zu sechst (inklusive Manis) mit einem Samaii (der nicht sehr oft getanzt wird) voller Eleganz und synchroner Vollendung. Der Titel "Lama Bada" ist ein traditionelles Musikstück, hier in einer Interpretation von Bruno Assenmacher & seiner Gruppe Ratatouille.

Wir bleiben auf dem indischen Subkontinent,
Sophia Chariarse hat uns von den Tamilen einen Bharatanatjam mitgebracht, einen der klassischen indischen Tänze, der zu den allerschwierigsten gehört. Doch dank ihres jahrzehntelangen Studiums des indischen Tanzes beherrscht Sophia auch ihn. – Shalymar aus Berlin begeistert uns in der nächsten Abteilung. Sie ist zum ersten Mal auf einem „Tanzhaus“-Festival, aber mit ihren betont romantischen Raks Sharki hat sie sich bereits einen guten Namen gemacht.

Shir o Shakar vom Niederrhein treten als Sextett an, und wie gewohnt bringen sie uns mehrere Stücke mit, die ineinander übergehen und wie eines erscheinen. In der ersten Abteilung vermengen sie Italo-Western und Heavy Metal zu einem fetzigen Tribal Fusion, im zweiten Teil zeigen sie uns ihre Version von ITS, das Allerneueste im Tribal (obwohl Shir o Shakar das schon seit Jahren tanzt), und schlußendlich ist der Tribal an der Reihe, mit dem sie, wie so viele andere, groß und berühmt geworden sind. Und auch den legen sie ziemlich rockig an.

Gamila, als Solistin wie auch als Manis’ Duo-Partnerin im ganzen Land bekannt, verwöhnt uns auch auf dieser Show mit ihrer beschwingten Sinnlichkeit, mit der sie ihre Raks Sharki anlegt. Gamila gehört unbedingt zu den führenden Interpretinnen dieses klassischen orientalischen Tanzes.

In Deutschland geboren, aber frisch aus Kanada eingetroffen ist Inka, die sich schon lange einen Namen als Ausdruckstänzerin des Tribal Fusion und des klassischen OT macht. In diesem Jahr bestimmen lateinamerikanische Merkmale ihre Darbietung, und gleichzeitig erzählt sie ihre Geschichte so intensiv, daß man ihr den autobiographischen Bezug sofort glaubt. Sie tanzt sehr gelenkig, weiß jedes einzelne Körperteil einzusetzen und läßt ihren schönen Beitrag in einem rassigen Trommelsolo ausklingen. Die Weite der Bühne scheint wie für sie geschaffen zu sein.

Zehn Köpfe zählen Ras el Hanout, und sie geben einen Tribal Fusion zum Besten, der durch seinen Schwung und die Vermischung mit Modern eine ganz besondere Note erhält. Schade, daß man diese Formation nicht öfter zu sehen bekommt. - Zum Schluß der ersten Halbzeit noch einmal Bondok, jetzt mit einem Tanura. Bondok tanzt diesen traditionellen Männertanz zunächst eher konservativ, läßt dann aber auch auf seinem Kostüm viele kleine Lichter aufleuchten. Das Publikum klatsche so lange, bis er eine Zugabe gibt, die er hauptsächlich mit Kunststücken bestreitet. – Wir werden in die Pause entlassen.

Am Anfang der zweiten Hälfte steht ein Gast aus Holland, Tanzpionierin Tjarda van Straaten, mit einem Stück in der Tradition der von ihr vor vielen Jahren geschaffenen Mischung aus Ballett, Modern und Tribal Fusion. Ja, das beherrscht sie immer noch. – Das Traum-Duo kommt: Manis & Gamila tanzen ihr Fächerschleier-Doppel romantisch, anmutig und bezaubernd. Bei diesen beiden bleibt für den Saal stets die Zeit stehen.

Sophia Chariarse kommt uns noch einmal indisch, diesmal aber mit einem modernen Bollywood, den sie gleichwohl traditionell und klassisch indisch interpretiert. – Noch einmal Shalymar und auch diesmal mit einem Raks Sharki, der trotz seiner romantisch verträumten Anlage einen verspielten Unterton aufweist. Diese Tänzerin besitzt wirklich künstlerische Bandbreite.

Von Shir o Shakar kommen Nicole & Alex mit ihrem berühmten Balkan-Duo-Stück, das sie mal in engen, mal in weiten Bewegungen durch alles vier Ecken der großen Bühne führt. Da bleibt niemand ruhig auf dem Stuhl sitzen. - Sinam & Manis treten zum zweiten Mal an, diesmal mit einem "Oriental-Modern-Lyrical-Fusion" Stück, getanzt zu der Musik "I See Fire" von Ed Sheeran. Mit großen, feuerfarbenen Seidenschleiern und klaren körperlichen Gesten verdeutlicht Manis die Interpretation des Liedes.   

Endlich wieder einmal solo zu sehen: Henneth Annun mit einem Balkan-Pop-Stück, das sie langsam und introvertiert beginnt, doch mit dem Tempowechsel der Musik geht sie so richtig aus sich heraus. – Eben noch auf einem Auftritt in Essen eilt Nwarin Gad nun auf die (Düsseldorfer) Bühne. Der Ballettmeister, der sich auch hervorragend mit dem Orientalischen Tanz auskennt, bringt uns einen Löffeltanz mit, und bei ihm wirkt das alles viel flotter und abwechslungsreicher als bei vielen seine Kolleginnen und Kollegen. Bald legt er die Löffel beiseite und beschert uns – im Matrosen-Anzug – einen flotten und agilen Seeleute-Tanz.

Zu den modernsten Projekten im deutschen OT- und Tribal-Tanz gehören die Zusammenarbeiten von der BDSS-Tänzerin Inka Strobl und dem Fernseh-Komponisten Tobias Becker. Für ODD haben sie sich etwas ganz Neues ausgedacht. Inka tanzt auf der Bühne eine Fusion aus Indischem Tanz und Modern (mit Betonung auf ersterem), während auf der Leinwand hinter ihr Video-Kompositionen von Tobias ablaufen, zu denen sie sich komplementär oder diametral bewegt. Ein kühnes Experiment, das man gern noch einmal sehen möchte.

Noch einmal Tjarda von Straaten mit einem Fusions-Tanz, der sich zu Beginn sehr auf Flamenco stützt und dann mit Modern harmoniert, wobei die Künstlerin auch tänzerisch eine Geschichte erzählt, bevor sie zum Flamenco zurückkehrt. – Den krönenden Schluß gibt es nun von Nwarin Gad. Vor dem Bildnis eines ägyptischen Pharaos schreitet Nwarin zur Musik von Ravels „Bolero“, bevor er einen Tanz aus klassischem Orientalisch und Ballett hinlegt, wie wir ihn an Eleganz und Ausstrahlung noch nie gesehen haben.

Ein großer Abend geht zu Ende, würdig der abgelaufenen Ära, der ein ganzes Vierteljahrhundert beschieden war. Doch gemach, es geht ja weiter. Dean, der Betreiber des Bistros im „tanzhaus“, führt das Festival unter neuem Namen und im Nachbarhaus (Capitol Theater (Club) / Erkrather Str. 30 / 40233 Düsseldorf) fort, und wir verwöhntes Publikum sind überaus gespannt, was uns am 5. Februar 2016 dort erwartet.

1. Oriental - Fusion - Gala 2016 
am Freitag, 05. Februar 2016 

Kartenvorverkauf ab September
über „Deans Bistro“
http://www.deansbistro.de/gala.htm

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ORIENTAL DANCE DAYS
13.02. - 15.02.2015, Düsseldorf

Zum letzten Mal "Orientale" im "tanzhaus nrw"
SHOWBERICHT von Marcel Bieger