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DAS BEINAHE-FIASKO

VORAB

Wohl kaum eine Orient-Veranstaltung hat bereits im Vorfeld für so viel Wirbel und negative Schlagzeilen gesorgt. Und wie üblich schossen Gerüchte ins Kraut, wie sie dümmlicher und falscher nicht hätten sein können. Dabei ist das Orient-Festival Knechtsteden nicht einmal ein Lehrbeispiel dafür, wie man oder frau es nicht machen sollte. Es ist halt leider alles Mögliche ganz anders gelaufen als erwartet. Mangelnder Vorverkauf, verspätete Werbung und eine verunglückte  Aufgabenverteilung haben maßgeblich dazu beigetragen, daß alles so gekommen ist, wie es gekommen ist.

Die Voraussetzungen waren nicht einmal ungünstig: Aaliyah und Karim haben bereits eine schöne Veranstaltung hinter sich („The Magic of Bellydance“, 2008 in Dormagen), Sylvia Sophia hat zwei herausragende Shows im österreichischen Linz durchgeführt (ODDA 1 und 2, 2008, bzw. 2009) und das, was André Elbing schon alles auf den Weg und ins Rollen gebracht hat, ist schon nicht mehr zählbar. Dennoch hat es am Ende nicht sollen sein, die eine Hälfte ist im Unfrieden von der anderen geschieden, und mehr sollte zu diesem Thema auch nicht gesagt werden.

Das Festival setzte sich aus drei Bestandteilen zusammen: Gala, Offene Bühne und Basar. Auf einem abgegrenzten Innenhof des Klosters Knechtsteden bei Dormagen (zwischen Köln und Düsseldorf) hatte man entlang der Wirtschaftsgebäude alles aufgebaut, was sich an Händlern, Gastronomie und Sonstigem eingefunden hatte; darunter ein fleißiger Kettenhemdschmied, die Ägypter von KaRa und ein mäßig unterhaltsamer Märchenerzähler. In der Mitte ein großes Gebäude, das als Umkleide und Orga-Zentrale diente.

Am Rand eine große Scheune, in welcher die Gala stattfand. Dazwischen viel zu wenige Besucher; für diese Anzahl war das Gelände dann doch etwas zu groß (1000 und mehr Personen hätten dort gleichzeitig bequem Platz gefunden, dieser Anzahl wurde sich nicht einmal genähert) Und überall gleichzeitig die beiden unermüdlichen Organisatoren. Auch der Basar wirkte etwas zerrupft, einige Händler hatten angesichts der Vorfeld-Querelen wieder abgesagt – desgleichen einige Tänzerinnen.

Und dennoch, die Örtlichkeit besitzt einen ganz eigenen Zauber – der sich im Verein mit einer orientalischen Atmosphäre noch steigert -, das „Drumherum“ (Parkmöglichkeiten, sanitäre Einrichtungen, Erreichbarkeit usw.) ist zufriedenstellend bis sehr gut, und Publikum wohnt auch in ausreichender Menge im Umland. Mit anderen Worten, Kloster Knechtsteden sollte als Veranstaltungsort keineswegs zu den Akten gelegt werden – trotz Fehlstarts, trotz finanziellem Minus und trotz allem anderen Ärgers.

Die Künstler, die sich nicht hatten abhalten lassen, boten dann ein tolles Programm. Die Offene Bühne war immer eine Attraktion, auch wenn der Ablaufplan bald das Papier nicht wert war, auf das man ihn ausgedruckt hatte (aber das kennt man ja auch von vielen anderen Veranstaltungen, und so etwas macht auch den Charme einer solchen Einrichtung aus). Helena Lehmann, bekannte Moderatorin aus dem Großraum Frankfurt/M.,  gab ihr Bestes, dem Durcheinander ein Gerüst zu geben – und das kann sie ja wirklich, in solchen Situationen zeigt sie ihre wahre Größe; und noch einmal am Samstagabend, als die Gala mit einer Vielzahl von technischen Pannen startete. Helena ist ihr Honorar mehr als wert.

Und ja, die Künstlerinnen der Abend-Show haben ihre Gage erhalten. Allen Widrigkeiten zum Trotz, aber auch das muß zur Ehrenrettung der Veranstalter festgehalten werden.

Orient Festival Knechtsteden
29.-30. August 2009
im Kloster Knechtsteden
- von Marcel Bieger
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