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Oriental Festival Knechtsteden

"The Magic of Bellydance"

29. - 30. August 2009

- von Marcel Bieger

Zu den anderen Künstlern: Abir & Magdy bieten einen „Shaabi“ einem ägyptischen Straßentanz, der zwar fröhlich ist, aber sich einem nicht gleich erschließt (sind Magdys Strass-T-Shirt und Jeans wirklich Straßenkleidung?). Magdy erscheint später noch einmal auf der Bühne, dann in traditioneller Kluft und mit einem Stocktanz, der sehenswert ist. Das Genre des Stocktanzes findet in unseren Breiten fast nur noch in Form seiner Parodie statt, nämlich von Mädchen getanzt, die damit männliches Gehabe karikieren wollen. Die Gelegenheit sollte aber unbedingt wahrgenommen werden, diesen Tanz in seiner originalen Form zu erleben, er enthält nämlich viel mehr, als nur das, was in der Parodie verzerrt wiedergegeben wird (vielleicht weil es von Frauen gar nicht so wahrgenommen wird): das männlich Verspielte, das Gefühl, mit sich und der Welt zufrieden zu sein, Lebenslust und Energie. Abir tanzt den Baladi, der ja eigentlich kein Tanz ist, sondern ein fröhliches sich bewegen als Ausgleich von der täglichen Arbeit Zu orientalischer Saxophon-Musik à la „shik, shak, shok“ sprühen hier Lebensfreude und gute Laune.

Wesentlicher Bestandteil aller OT-Veranstaltungen sind der klassische Orientalische Tanz oder Raks Sharki, meist in Tateinheit mit dem Trommelsolo. Beide sind fast immer hübsch anzuschauen, oft sogar fesselnd. Die hiesige Gala bildet da keine Ausnahme. Ramita eröffnet diesen Reigen mit einer grundsoliden Darbietung. Daß sie vom Fach kommt, beweist Farahnaz mit ihrer Interpretation des klassischen Orientalischen Tanzes. Sie bewegt sich souverän und ausdrucksstark. Und macht vielen anderen eine Menge vor.
Safiyya & Sundari heißt das Duo, welches uns einen ebenso eigenen wie hübschen Paar-OT tanzt. Die perfekte Zusammenstellung von langem goldblonden Haar und lindgrünem Kleid, die abwechselnd synchronen und alternierenden Schritte und Bewegungen, das alles beweist, daß auch hier versucht wird, einem traditionellen Genre eine neue Form zu geben.
Izida hat sich vor wenigen Wochen selbständig gemacht, um eine Solo-Karriere in die Wege zu leiten, und beweist an diesem Abend, daß sie das Zeug dazu hat, zu den ganz großen aufzusteigen. Ihr Körpereinsatz, bei dem sie buchstäblich jeden Teil einsetzt, sucht bereits jetzt seinesgleichen, wie sie sich überhaupt von Auftritt zu Auftritt steigert. Beim anschließenden Trommelsolo zeigt sie dann endgültig, wieviel Energie, Leidenschaft und Power in ihr stecken.

Natalie führt ihre Abschlußarbeit vor, ebenfalls einen klassischen OT, womit diese Gattung hier nicht etwa überrepräsentiert, sondern ihrer Bedeutung im OT entsprechend vertreten ist.

        Alitza & Samra, die wir im ersten Teil mit ihrem jeweiligen Solo gesehen haben, kehren mit ihren Schleierfächern auf die Bühne zurück und führen eine lässig elegante Nummer vor. Obwohl als OT angelegt, auch vom Kostüm her, sprengt die Musikauswahl den Rahmen und zeigt neue Möglichkeiten auf – eine interessante Idee, die man im Augen behalten sollte.

        Nicht oft bekommt man einen „Melaya“ vorgeführt, diese Aufgabe bewältigt Hanan Kadur. Mittelpunkt dieses Tanzes ist das titelgebende schwarze Tuch, das eigentlich dazu dient, die Frau vor unbefugten Blicken zu verhüllen. Doch in diesem Tanz verschieben und verlegen die Frauen selbiges Tuch so oder auch so, daß es mehr enthüllt als verdeckt. So ist daraus ein fröhlich flirtender Tanz entstanden, der allen Parteien (Tänzerin wie Zuschauern) großen Spaß macht.

Zum Standardrepertoire eines OT-Abends gehören auch die Schleiertänze: Hier gilt es besonders, Hanan Kadur zu loben, die mit sehenswerter Körperbeherrschung, weiblich harmonischen Bewegungsabläufen und einem ganz eigenen Ausdruck im Tanz im Gedächtnis haften bleibt.

Man würde ihn nicht unbedingt auf einer OT-Bühne erwarten, er hat hier aber trotzdem seinen Platz gefunden – der Tango Argentino, wenn auch in der oriental bearbeiteten Form. Samra zeigt uns ihre Version, komplett mit todtraurigem Bandoneon und allem, was sonst noch   dazu gehört. Nur fehlt noch das Tüpfelchen auf dem „i“. Mag es daran liegen, daß Tango eigentlich eine Geschichte erzählt und eher zwei Tänzer braucht (man vergleiche dazu Manis und Gamila auf der Orientale), oder sei es, daß die Künstlerin Tango und OT nicht miteinander verwebt, sondern sie immer sequenzweise hintereinander weg tanzt.

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Am Ende des Gala-Abends gibt sich die Veranstalterin Aaliyah persönlich die Ehre und wirbelt zu einem traditionellen Zigeunertanz über die Bühne. Als Karim sich dann mit seiner Tabla dazugesellt, weiß der erfahrene Besucher, daß das Finale erreicht und die Show zu Ende ist.