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KLEINES JUBILÄUM –
GROSSE SHOW

Orientalisches Tanzfestival (OTF)
Stuttgart, den 16. März 2013

von Edith Graßmann

Noch bevor Artemis mit ihrem Mann Dieter das Publikum begrüßte, wurde man mit einer 6-köpfigen Live-Band in den Orient versetzt. Ali Baba am Qanoon und dem Akkordeon eröffnete die Show, begleitet von Dr. Nayef Taha (Tabla), Mohamad Ali (Keyboard), Tarek (Bass-Trommel) sowie Adil an der Geige und ein Nay-Spieler. Durch den Abend führte die Moderatorin Gabriella Samra, die noch im Jahr zuvor selbst als Tänzerin auf der Bühne gestanden hatte.
Die Trilogie beginnt

Tänzerisch eröffnet wurde die Show von Nyla aus Mannheim, die ursprünglich aus der sibirischen Stadt Tomsk stammt. Begleitet vom Orchester zeigte sie eine klassische Tanz-Routine. Zu einem Klassiker füllte sie gefühlvoll und anmutig die Musik mit Bewegungen. Das Publikum war fasziniert von ihrem Tanzkönnen und würdigte das mit viel Beifall.

Aus dem Intensiv-Fortbildungs-Projekt bildete Artemis mit Azad Kaan das Ensemble Bouquet d´Orientale. Neun junge, talentierte Tänzerinnen aus ganz Deutschland setzten eine temperamentvolle Choreografie mit Bodenelementen von Azad Kaan um. Das Projekt läuft bereits über ein Jahr, verteilt auf fünf Wochenenden, jeweils mit einem speziellen Thema. Auf der Gala zeigten 9 von etwa 20 Teilnehmerinnen, was sie bisher gelernt haben.

Auf dem Boden fing Fantasy-Spezialistin Schirin Yazar aus Straubenhardt ihre Darbietung an. Ihr eleganter Vortrag mit dem Doppelschleier zu moderner Musik bot einen angenehmen Kontrast zu den bisherigen Tänzen. - In Gegenzug zum feinen Schleier gab Schirin Yazar zu einem späteren Zeitpunkt einen Säbeltanz zum Besten. Gefangen in einer mystischen Stimmung, kamen die kämpferischen und akrobatischen Elemente perfekt zur Geltung. Selbst beim anschließenden Trommelsolo legte sie ihr Lieblings-Accessoire nicht ab und zeigte pointierte, isolierte Bewegungen.

Artemis stellte für ihr kleines OTF-Jubiläum ein internationales Programm mit drei Showblöcken zusammen, das man auch als „Artemis & Friends“ bezeichnen könnte. Von namhaften Stars bis hin zu „neue Sternchen“, das Abendprogramm zeigte sich gut bestückt. Mit viel klassischem Tanz zur Live-Musik, über Fantasy-Tänze bis hin zu Tribal Fusion sowie „Burlesque“ band sich die Gala zu einem bunten Strauß zusammen. Die Bankettbestuhlung bot die Möglichkeit, die Gäste während der Show zu bewirten. Bei dem umfangreichen Programm in drei Show-Blöcken hat dies den Zuschauer entlastet, nicht nur in den Pausen Essen und Getränke zu verzehren.
Nachdem Selena aus Stuttgart das Nachmittagsprogramm moderiert hatte, war sie in der Abendgala selbst als Künstlerin mit zwei Auftritten zu sehen. Im ersten Programmteil entführte sie das Publikum mit einem Tango Oriental nach Lateinamerika. Im zweiten Block zeigte sie einen Schleiertanz zu dem musikalisch neu interpretierten Klassiker „Miserlou“. - Für eine ausgefallene Tänzerin sprangen nun kurzfristig die Ägypter Ayman Etlah und Saleh Nagah ein. Die Folklorespezialisten zeigten einen fröhlichen Eskanderani aus ihrer Heimat. Gleich von Beginn an hat sich von der Bühne die erfrischende Fröhlichkeit auf die eifrig mitklatschenden Zuschauer übertragen.
Die gute Stimmung setzte sich nahtlos auf den nächsten Tanz fort: Dahab Sahar aus Gaiberg bei Heidelberg sah man ihre Freude am Tanz sogleich an. Nach einem gefühlvollen Baladi zu Live-Musik schwang die Folklore-Liebhaberin artistisch den Stock zu Saidi-Klängen, was auch gleich vom Publikum mit dem Einsatz von rhythmischen Klatschen gewürdigt wurde. - Genauso dynamisch ging es weiter: Shalima aus Filderstadt hat sichtlich ihre Darbietung, einen Raks Sharki, zur Live-Musik genossen.
Der in Zypern geborene Ozgen zeigte einen herrlich temperamentvoll getanzten türkischen Roma-Tanz. Der international anerkannte Tänzer, Choreograph und Regisseur versteht es immer wieder, mit seiner Kunst und seinem charmanten Auftreten das Publikum in den Bann zu ziehen. Perfekt umgesetzte Akzente ließen die Gesichter der Zuschauer erstrahlen, die fasziniert und fröhlich in die erste Pause entlassen wurden.
Aufregender Teil zwei

Die Oriental Amazones, das Tanz­-Ensemble der Veranstalterin Artemis, holten mit einem modernen Baladi das Publikum aus der Pause zurück in die orientalische Tanzwelt. Sechs Tänzerinnen zeigten ihr Talent und Tanzfreude zu einer dynamischen Choreografie ihrer Leiterin. - Die Tänzerin Marianna aus Filderstadt entführte die Zuschauer in 1001 Nacht. Mit Grazie und Eleganz ließ sie den Schleier in einem Fantasy-Tanz zu Mozartmusik wehen. Später zeigte sie mit einem persischen Tanz eine weitere Facette des orientalischen Tanzspektrums. Beschwingt und anmutig tanzte sie mit filigranen, variationsreichen Arm- und Handbewegungen.

Geheimnisvoll eingehüllt in zwei Spitzenschleier betrat Sora  aus Speyer zum Lied „Sweet Trouble“ die Bühne. Die junge Künstlerin ließ sich von Mata Hari zu diesem Auftritt inspirieren und stellte hierbei ihre Körperbeherrschung und ihr tänzerisches Können unter Beweis, das weit über den Orientalischen Tanzstil hinausreicht. - Der Raks Sharki der Gastgeberin Artemis begeisterte das Publikum. Gleich von Anfang an haben die Zuschauer mitgeklatscht während die Live-Musiker das Stück „Saher al Sharq“ zum Besten gaben. Ihre versierten Shimmies zum Oud Taxim haben Zwischenapplaus im Publikum hervorgerufen – der Abschlussbeifall fiel dann grandios aus.
Als internationaler Gaststar schloss sich Yasmina of Cairo gern mit ihrer Darbietung der Live-Musik an. Die in Großbritannien geborene Künstlerin lebt seit 1995 in Kairo und trat dort jahrelang mit einem großen Orchester in den besten Hotels der Stadt auf. Mit Anmut und Körperbeherrschung präsentierte sie ihr Können, das von dem mucksmäuschenstillen Publikum mit Faszination und Anerkennung gewürdigt wurde. Auch bei ihrem späteren Auftritt zeigte sie noch mal mit Grazie und Eleganz die Schönheit des klassischen orientalischen Tanzes.

Als weiteren Höhepunkt präsentierte sich die US-Amerikanerin Aepril Schaile aus Massachusetts mit einer Gothic Fantasy Interpretation. Mit ihren Kenntnissen aus Theater und Mythologie versteht sie es Tribal nicht nur zu tanzen, sondern auch als Bühnenakt zu inszenieren. Dafür ist sie weltweit bekannt und wird auch als „American Priestress of the Dark Goddess“ betitelt. - Danach ließ Yasira aus Stuttgart wieder die Sonne aufgehen. Die junge und sehr talentierte Tänzerin ist Mitglied des Ensembles „Oriental Amazones“ von Artemis und den „Chillis“ von Azad Kaan. Sie weiß ihren wunderschönen Körper elegant einzusetzen, ist dabei dennoch temperamentvoll und kokett.

Fröhlich und frisch ging es auch gleich weiter. Folkloretänzer Saleh Nagah, der bereits in ersten Programmteil mit Ayman Etlah zu sehen gewesen war, zeigte sich dieses mal im Duo mit Artemis zu einem Stocktanz. Beginnend mit Salehs spektakulärer Darbietung mit zwei Stöcken, tanzten dann beide kokettierend umeinander und sorgten für ausgelassene Stimmung im Saal. Wie schön zu beobachten, dass auch hier wieder das Publikum gut gelaunt in die (zweite) Pause ging.
Finales Drittel

Die junge Tänzerin Lia Verra aus Griechenland eröffnete das letzte Drittel mit einem klassischen Raks Sharki. Von einem Schleier-Entree zum klassischen Teil bis hin zu Saidi-Elementen zeigte sie ein breites Spektrum. Weiblich und charmant bezauberte sie das Publikum. - Artemis kam zu ihrem letzten Auftritt des Abends mit großen Federfächern auf die Bühne. Gleich flirtete sie keck mit ihrem Publikum. Inspiriert vom Varieté und den großen Revue-Shows setze sie Rumba-Rhythmen zu einem koketten Fantasy-Tanz um und zeigte, dass sich ihr tänzerisches Können nicht nur auf den Orientalischen Tanz beschränkt.

Noch weniger orientalisch schloß sich der „Burlesque“ von Sora bei ihrem zweiten Auftritt an. Feminin und tänzerisch elegant legte sie nach und nach Handschuhe, Rock und Korsage ab – bis nur noch Höschen und BH übrig blieben. - Der anschließende Auftritt war ein Ausflug in die mystische Welt des Tribals und der darstellenden Künste mit Aepril Schaile als „Snow Queen“. Wie ein Wesen von einem anderen Stern zeigte sie in einer schauspielerischen Darbietung ihr Können und rief damit bei so manchem Gänsehaut hervor.
Ozgen beeindruckte mit seinem Tanz ein weite-
res Mal das Publikum. Bei seinem türkischen Bauchtanz setzte er seinen schwarzen Samtmantel mit weitem Saum als Accessoire raffiniert ein. Die Tanztechnik war wiederum perfekt auf die Akzente der Musik abgestimmt. Das anschlie-ßende Trommelsolo bot ein echtes Feuerwerk seines tänzerischen Könnens und riss die Zuschauer förmlich mit. - Eher selten geworden sind die Auftritte der Frankfurter „Grand Dame“ Reyhan. Umso mehr freute sich das Publikum, sie wieder auf der Bühne zu sehen. Kokett und fröhlich genoss sie ihren Auftritt mit der Live-Band. Zum Klatschen auffordernd brachte sie noch mal richtig Stimmung in den Saal.
Den Abschluss der Show leitete Saleh Nagah ein. Mit seinem Tanura-Tanz entführte er die Zuschauer in eine Trance-Welt. Auch wenn man diese Art des Tanzes schon mehrfach gesehen hat, verliert eine solche Darbietung nie ihre Faszination. Bewundernd blickte das Publikum auf die Künste des Tänzers, sich so lange den Derwisch-Drehungen hinzugeben, bis schließlich zum Höhepunkt, dem abschließenden Lichtspiel durch die im Rock integrierten Lämpchen.
Nach diesen „Schlusslichtern“ läutete die Moderatorin das große Finale ein und holte noch einmal alle Künstlerinnen und Künstler auf die Bühne. Artemis verblieb die Ehre, ihre fünfte Gala zu beschließen und alle recht herzlich zum 6. OTF am 22. und 23. März 2014 einzuladen.

Die diesjährige Gala war bei ausverkauftem Saal und den tollen Tanznummern ein voller Erfolg. Sicher hat die Show nicht nur durch die tolle Besetzung der Künstler Beachtung gefunden, sondern auch zu Diskussionen angeregt welche neuzeitlichen Tanzstile, wie die „Burlesque“, sich dem Orientalischen Tanz nähern und ihn beeinflussen. Letztendlich bleibt es jedem Veranstalter frei, welche Darbietungen er für seine Show auswählt. Deshalb können wir uns im nächsten Jahr wieder auf eine Vielfalt in Stuttgart freuen, wenn es zum nächsten OTF wieder heißt: „Artemis & Friends“.

Homepage: www.artemis-events.net
Photos © Reiner Gutzmer
Artemis
Die Nachmittags-Gala
Der bunte Basar
Azad Kaans Ensemble "Bouquet d'Orientale"
Nyla
Schirin Yasar
Ayman Etlah & Saleh Nagah
Selena
Dahab Sahar
Shalima
Ozgen
Oriental Amazones
Sora
Artemis
Marianna
Yasira
Aepril Schaile
Yasmina of Cairo
Saleh Nagah & Artemis
Artemis
Sora
Lia Verra
Aepril Schaile
Ozgen
Reyhan
Saleh Nagah
Artemis, Yasmina of C., Ali Baba, Dr. Nayef Taha, Mohamad Ali u.a.