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Photos © Andrè Elbing (www.andre-elbing.de)
Grafische Gestaltung/WebDesign: Konstanze Winkler
HALBZEIT: Das letzte Offenburger Tribal-Festival ist ein gutes halbes Jahr her, und das neueste wirft bereits seine Schatten voraus.
Zum kleinen Jubiläum gibt es noch mehr Programm an noch mehr Tagen, und der nun folgende Bericht soll zeigen, wie schön es im letzten Jahr war und damit Appetit auf das kommende Spektakel machen. Wohl bekommt’s!

Bereits zum vierten Mal in Folge erbebte der Schwarzwald unter dem Ansturm der Tribal-Frauen aus dem In- und Ausland. Das nahe Frankreich – hier am Oberrhein ist der Fluß die Landesgrenze – schickt in jedem Jahr mehr Vertreter seiner noch etwas kleinen Szene,
und die anderen deutschen Nachbarländer sind ebenfalls dabei. Selbst aus den USA kommen sie herbei, und für die deutsche Szene ist „Offenburg“ mittlerweile fast genauso wichtig wie das deutsche Tribal-Mekka in Hannover geworden. In diesem Jahr hatte das Schwarzwald-Festival, wie es auch genannt wird, mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen, die aber alle gemeistert wurden. Claudia kann stolz darauf sein, von vielen Seiten Unterstützung angeboten bekommen zu haben, auch wenn die manchmal mehr gut gemeint als wirklich gut gewesen ist.
Ein Wort noch zu den Photos. Wer „Hagalla“ kennt, weiß, daß wir unsere Beiträge gern so photobunt wie möglich gestalten. Das ist diesmal aber nicht so einfach, weil zugesagt Bilder und das Video im wesentlichen einfach ausgeblieben sind. Wir bedauern das sehr.
Vielen Dank an André Elbing, der uns  großzügig ausgeholfen hat.

FREITAG IN DER „DISSE“

Freitagabends in der Disco, oder Club, wie es mittlerweile auch nicht mehr heißt, sondern Lounge, es werden dort aber immer noch Tonträger aufgelegt. „The Smoky Eyes“ treten in einem der angesagtesten Lounges der Stadt Offenburg auf und zeigen insgesamt vier Stücke, ein repräsentativer Querschnitt durch ihr Werk. The Smoky Eyes bringen gern ganze Programme auf die Bühne, angefangen von ihrer Zirkus-Schau mit Frau mit Bart, Stelzen, siamesischen Zwillingen und diversen anderen Taschenspielertricks; ebenso beliebt auch ihr Umwelt-Programm, wo sie, in Mülltonnen steckend, ein Heidenspektakel und einen ebensolchen Lärm veranstalten. Blandine, die Chefin dieser Rasselbande zeigt ihr Solo-Stück, eine Geschichte mit militärischem Hintergrund, mit dem sie im Vorjahr bei Leyla Jouvanas Wettbewerb „Bellydancer of the World“ den 1. Platz in der Kategorie Tribal Fusion belegt hat.
Auch die anderen Mädels geizen nicht mit Solo- oder Duo-Auftritten. – Alles in allem ein kurzweiliger Abend vor stattlichem Publikum statt, darunter etwa hundert Frauen vom Fach. Ein gelungener Auftakt des 4. Oberrheinischen Tribal-Festivals. Anschließend zieht man und frau auf das ganz in der Nähe stattfindende Weinfest, in dessen Rahmen auch die deutsche Weinkönigin gewählt wird … und das bringt Veranstalterin Claudia Dufner auf eine einleuchtende Idee, doch dazu später mehr.
GALA IST GALA

Seit dem gestrigen Abend sind die Smoky Eyes die Stars des ganzen Festivals. Sie können gar nicht oft genug auf die Bühne kommen und bringen, diesmal in Einzelbeiträgen, noch einmal ihr Freitags-Programm, was auch sinnfällig ist, da sich heute zu einem Gutteil ein anderes Publikum einfindet. Die Begeisterung stellt sich sofort wieder ein und lässt keinen Moment nach.
Latifah Abdel aus Karlsruhe mischt Tribal Fusion in ein Ballettstück, und nicht nur diese anspruchsvolle Darbietung zeigt, daß sie von Mal zu Mal besser wird. - Reinen ATS zeigt das Tara Collective.

Ganz langsam beginnt Linda aus Frankreich, und nachdem sie sich vom Boden erhoben hat, gerät sie so richtig in Fahrt mit einer sehenswerten Mischung aus Drehtanz, Zigeuner-Folklore und ganz viel Leidenschaft. – Zum ersten Mal dabei, bitte wieder wählen, den Daphnee’s Clan aus Berlin mit ITS von rarem synchronen Tanz und einer Choreographie, bei der man gerne glaubt, daß die „Macherin“ sich etwas dabei gedacht hat.

Masha Shushera, Deutsch-Ukrainerin, gehört neben den Smoky Eyes zu den großen Abräumerinnen des Festivals. In ihrer ersten Nummer interpretiert sie einen Säbeltanz auf ihre Weise, nämlich mit Jongliermessern, die sie ganz anders als gewohnt handhabt. Kunststück, sie ist ja neben dem Tanz auch bei einer Gaukler- und Feuerschau-Truppe mit dabei. In ihrem zweiten Beitrag beweist sie sich noch stärker als Jongleuse, wenn sie leuchtende oder Glaskugeln scheinbar allen Gesetzen der Physik entzogen über ihre Arme und ihren Körper wandern lässt.

In phantasievollen Kostümen betreten Zaghareet aus dem Südwesten die Bühne und entführen uns mit ihrem Tribal Fusion und eine dunkle und mysteriöse Welt.

Vom Niederrhein kommt Galathea und bringt uns eine fernöstlich inspirierte Dub Step-Nummer mit Trippelschritten mit.
In die erste Reihe des deutschen Tribal und Tribal Fusion gehört mittlerweile die Deutsch-Ukrainerin Anita Blake. Zunächst tritt ihre „Lamia Dance Company“ im Duo auf (mit der entzückenden Deutsch-Japanerin Asuko), zu einer Fusion aus Tribal und spanischem Flamenco, eine bemerkenswerte Angelegenheit.

Später sehen wir Anita allein mit einem sehr traurigen Lied über ein Frauenschicksal, das durch ihren hypnotischen Blick sehr an Eindringlichkeit gewinnt.

Viel fröhlicher geht es mit der Riesen-Formation Anima Sana unter Leitung der bekannten OT-Tänzerin Gamila weiter, die zu Mittelalter-Rock „Oriental Tribal Bellydance“ präsentieren – und damit beim Tribal Star Wettbewerb im hannoverschen Tribal Festival den 2. Platz in der Kategorie Gruppe gemacht haben.
Nach der Pause eröffnen die Smoky Eyes,
dann tritt die Moderatorin Elena Sapega höchst- persönlich mit einem Csardas-Fusion unter Geigengewimmer auf und vermittelt pure Lebenslust.
Die Straßburgerin Melusine, die am Nachmittag schon auf der Offenen Bühne begeistert hat, tanzt uns ein jiddisches Volkslied (eben keinen Kleßmer) und fügt danach ihren Beitrag vom Nachmittag hinzu, ein „burlesque“-Spektakel.

Ebenfalls aus Frankreich kommt der Salammbo Tribe, der uns etwas darbietet, was man nicht selten zu sehen bekommt: ATS mit spanischem Flair (kein Tribal Flamenco Fusion). Die Chefin hat’s erfunden, und das Ganze ist nicht ohne Reiz, wenn auch nach strengen ATS-Lehrbuchregeln nicht so ganz erlaubt.
Der deutschte Star Cristina Zegarra, ebenfalls vom Niederrhein, beherrscht nun die Bühne: Ernst die Miene, „Dur“ der Rhythmus, Moll die Melodie, so ist Cristinas Stil, mal hart und mal weich, alles exakt und von innen heraus, ein einziger künstlerischer Glanzpunkt. – Aus dem österreichischen Linz kommt Sylvia Sophia Assmann an den Oberrhein und versetzt uns mit ihrer Interpretation eines Tanura in höchstes Erstaunen. Die Ernsthaftigkeit und der Fleiß, mit der sie sich dieses schwierige Metier erarbeitet hat, lässt erkennen, daß dieser Tanz nicht ganz allein von Männern vollübt werden kann.
Die Hessinnen (na gut, nicht alle) von Neas Tribal, auf die freut sich das Publikum immer ganz besonders, denn was da an Tanzfreude und –witz auf die Bühne kommt sucht seinesgleichen. Und wie sie den ATS interpretieren und mit eigenen Formen veredeln, das ist jedes Mal, weil immer neu, sehenswert. – Und schließlich Perlatentia aus Hannover, eine der führenden ITS- und Balkan-Fusion-Formationen in Deutschland führen uns Urban Dance und anschließend ein fetziges Trommel-Solo nach Tribal-Spielregeln vor.

Smoky Eyes“ beschließen den Abend, und im berauschenden und bunten Finale verabschieden sich alle vom Publikum. Oha, beinahe hätten wir Claudias Idee vergessen: Sie hat nämlich die Wahl zur Tribal-Königin durchgeführt, und die sind in der Kategorie Gruppe die „Smoky Eyes“ geworden, und als Solistin wurde Masha Shushera die symbolische Krone aufgesetzt.
Freuen wir uns auf die diesjährige Jubiläumsausgabe, das 5. Oberrheinsche Tribal Festival, Offenburg, 11. - 14. September 2014!
Homepage: www.tribal-festival.jimdo.com
The Smoky Eyes
links und oben: The Smoky Eyes
Daphnee's Clan
Photos:
oben: Latifah Abdel
rechts: Masha Shushera
rechts (außen): Galathea
Zaghareet
Lamia Dance Company
Cristina Zegarra
Sylvia Sophia Assmann
Elena Sapega
Neas Tribal

TRIBAL-KÖNIGINNEN
Zum 4. Oberrheinischen Tribal Festival 13. – 14. September'13 in Offenburg

von Marcel Bieger