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Showberichte
Photos © Konstanze Winkler, Graphik/WebDesign: Konstanze Winkler
Das „Capitol“ erhebt sich nicht nur gleich neben dem „Tanzhaus“, es gehört architektonisch auch zum selben Ensemble, einem ehemaligen Straßenbahn-Depot. Und nicht nur das haben die beiden Gebäude gemeinsam, letzteres feierte mit der „Orientale“ jahrzehntelang das Hochamt des Orientalischen Tanzes (bevor man dann Padautz! alles abgeschafft hat), und ersteres schickt sich an, dem Orientalischen Tanz ein neues Heim zu bieten. Scharnier zwischen beiden ist Manis Sjahroeddin, künstlerischen Beraterin bei dem alten, künstlerische Leiterin bei dem neuen Bauchtanz-Fest. Der Veranstalter heißt Dean und ist der Pächter des Bistros im Tanzhaus, in das auch die Mitarbeiter und Künstler des „Capitols“ einkehren. Zur ersten Gala wird es brechend voll im erfolgsverwöhnten „Capitol“. Alle wollen wissen, ob der Übergang klappt, alle wollen sich natürlich bestens unterhalten lassen, und alle kommen auf ihre Kosten.

Viele Freunde und Weggefährten kommen, um Dean und Manis bei ihrem ersten gemeinsamen Projekt moralisch zu unterstützen, und weil beide in Düsseldorf bekannt sind wie die sprichwörtliche bunte Kuh (hat aber nichts mit der Düsseldorfer „Kö“ zu tun), kommen noch viel mehr in den Zuschauerraum und auf die Bühne. So führt „Käthe Köstlich“, eine bekannte Düsseldorfer Travestie-Größe mit viel Elan und noch mehr Witz durch den Abend, eine wuchtige Erscheinung, neben der die zierliche Manis, die ein paar Sätze zur Eröffnung spricht, wie ein Kind wirkt. Tatsächlich, die völlig neue Atmosphäre zieht uns in ihren Bann, wir harren gebannt der Dinge, die da kommen werden.

Endlich geht es los, Safira betreten die Bühne als Sextett mit Isis-Flügeln und mit ihnen kommt „Medusa’s Fury“ ein dramatischer Walzer in einer typischen Manis-Choreographie. Arm-Achter (die fast wie Flugbewegungen wirken) dazu klassische Isis-Flügel-Bewegungen. Safira sind Manis’ Ensemble, mit dem sie gern Neues ausprobiert und einstudiert. Eine hübsche Eröffnung.   

Als nächstes ein Quintett, die Gruppe Ereshkigal aus Augsburg unter der Leitung von Ida Mahin. Kunst erkennt sich, denn als Ida und Manis sich vor einigen Jahren zum ersten Mal begegnet sind, hat es sofort auf künstlerischer Ebene zwischen ihnen gefunkt. Wir sehen nun den Tribal Fusion „Bach in Fusion“, ein ambitioniertes Vorhaben, den Großmeister der Orgel mit dem Tribal Fusion zu vereinen. Aber Ida gelingt so etwas, wir sind noch nie von ihr enttäuscht worden.

Dann kommt jemand mit einem langen und dicken Holzrohr auf die Bühne, setzt sich hin und fängt an, diesem Stück Töne zu entlocken. Marvin Dillmann beherrscht das „Didgeridoo“, spielt es anscheinend auf verschiedenen Ebenen und klingt mal wie ein Alphorn, mal wie ein mongolischer Oberton-Sänger und ansonsten wie alles dazwischen. Marvin Dillmann war schon auf der Weihnachtsfeier dabei.
Ayeris hat 6 Jahre bei und mit Manis' Ensemble SINAM getanzt und versteht sich wie kaum eine andere in Deutschland darauf, Oriental Fusion mit Modern, Ballett und Zeitgenössisch zu veredeln (und umgekehrt). Viel Bodenarbeit und stetige Ausbrüche in den Streetdance vervollkommnen das Bild. Wir werden – hoffentlich – noch sehr viel von ihr hören.
Bild links: Manis und Kathe Köstlich
José Manuel Sanchez Morena (schon der Name zergeht auf der Zunge) gilt als eine der ersten Adressen des Flamenco in Deutschland, auch wenn der Künstler weltweit tätig ist. Wir bekommen einen Flamenco mit Castagnetten zunächst auf engstem Raum zu sehen, der aber auch zunehmend die Weite der Bühne nutzt. Morena wirkt wie ein sehr ernster Künstler, doch kann er zwischendrin immer wieder lachen. Er war einer der gefragtesten Lehrer bei Manis’ letzter Sommer-Akademie.

„Summertime“ nicht in der alten George Gershwin-Version, sondern in einer moderneren souligen Bearbeitung, dazu tanzt die Latin Soul Company unter der Leitung von Ivana Scavuzzo, ebenfalls Dozentin an Manis’ „Oriental Summer Camp“. Das Quintett führt sprudelnden lupenreinen Salsa vor, und für Schülerinnen tanzen die Mädels ziemlich professionell.

Gern gesehen und heiß begehrt auf jeder Manis-Veranstaltung, die Trommelei von Bruno Assenmacher. Heute erscheint er zwar „nur“ mit seiner Frau Elli, aber die beiden mischen als Mediterrasian Percussion Duo das Haus ganz schön auf. Den beiden ist die „Schlagfreude“ sichtlich ins Gesicht geschrieben, wenn sie sich aus harmlosen Anfängen zu rasendem Tempo versteigen, um dann unerwartet wieder gemächlicher zu werden.
Aus dem Libanon kommt Iman, und was sie uns zeigt, stammt aus dem Land Irak, ein Iraqi nämlich. Rhythmusreich dreht sie sich auf der Stelle und schüttelt die schwarze, wallende Löwenmähne. Daraus entwickelt sich ein „Haar-Solo“, das Iman schließlich auf den Knien fortführt. Nein, kein Khaleegy, sondern sein wilderer Bruder, der eingangs schon erwähnte Iraqi.

Nicole & Martina tanzen normalerweise in der Formation „Shir o Shakar“, aber der Stamm hat ja schon verschiedentlich Duo-Früchte getragen. Die beiden zeigen uns Amseln im Anflug, einen Tribal Fusion mit Modern und Blues auf Flamenco-Basis. Dabei zerlegt das Duo, das hier und heute zum ersten Mal zu sehen ist, den Flamenco in einzelne Bestandteile und fügt diese mit anderen Genres wieder zusammen.

Ebenfalls „Shir o Shakar“ entsprungen sind Sol & Luna, haben sich aber inzwischen selbständig gemacht. Anfangs suchten sie noch etwas nach ihrem ganz eigenen Stil, und den haben sie jetzt mit ITS nach Unmata gefunden. Überaus agil und lebendig wie „Erfinderin“ Amy Sigil machen sie sich mit diesem akrobatischsten der Tribal Fusion-Arten die Bühne untertan.

Teil II

Unverfälschter Hip Hop eröffnet die zweite Runde, Kofie da Vibe springt und hüpft und verdreht sich mitsamt seinen fünf Schülerinnen zu fetziger Musik und zeigt, was man bei ihm lernen kann (im Tanzhaus, die Freundschaft zu Manis hat ihn hierher geführt). Im anschließenden Stück geht er noch einen Schritt weiter und setzt seine Mädels als lebende Accessoires ein.

Noch einmal bekommen wir die Gruppe Ereshkigal unter der Leitung von Ida Mahin zu sehen: Es wird indischer Fusion geboten, und tatsächlich erwarten uns hier keine indischen Tänze im gewohnten Gewand, sondern Elemente desselben neu zusammengemischt. Vor Jahren haben sich Ereshkigal schon einmal an einer solchen Nummer versucht, heute tanzen sie, als hätten sie ihre Meisterschaft in dieser Form gefunden.

Von Indien nach Lateinamerika, Ivana Scavuzzo und ihre Latin Soul Company beglücken uns noch einmal mit einem Salsa-Stück, diesmal arbeitet das Septett auf und mit Stühlen. Ivana gehört schon seit einigen Jahren zum Lehrkörper an Manis’ Sommer-Akademie, was an sich schon dafür spricht, wie beliebt und gesucht die lateinamerikanischen Tänze sind. Und dafür, daß Ivana sich darauf versteht, sie uns nahezubringen.

Ayeris bleibt ihrem Ballett/Modern-OT-Fusion-Stil treu, setzt diesmal aber zusätzlich einen Fächerschleier ein. Auch wenn sie ihn anders handhabt, als man das von OT- oder Tribaltänzerinnen gewohnt ist, fügt sich dieses Element organisch in ihren Vortrag ein. Wir sind wirklich sehr gespannt, wie und wohin sich diese noch junge Künstlerin entwickeln wird.

Man lädt uns mit „Journey With an Elevator“ zu einer Reise in einem Fahrstuhl ein: Und um uns das besonders plastisch zu verdeutlichen trommeln Bruno Assenmacher und Elli auf Plastikeimern. Bruno vertritt schon seit längerem den Standpunkt, daß sich mit allem Musik machen läßt, was beim Draufschlagen Töne erzeugt. Und Recht hat er! Da muß auch nicht besonders betont werden, daß er ebenfalls zu Manis’ Dozenten-Team gehört.

Zu einem Duo der klassischen Art schweben Gamila und ihr männlicher Lieblings-Choreograph Azad Kaan auf die Bühne. Ein Raks Sharki wird geboten, dem Gamila den ganzen Charme weiblicher Biegsamkeit und Tanzkunst verleiht. Großartig, sie auch ohne Manis zu erleben, damit sie zeigen kann, was alles in ihr steckt. Ihren Tanzpartner bekommen wir an diesem Abend zweimal mit einem Solo-Vortrag zu sehen.
Nun wird es aber höchste Zeit für den Klassiker unter den klassischen Tänzen: Sinam tritt an zu einem Raks Sharki mit Trommelsolo. Eine traditionelle Darbietung? Mitnichten, und so wird aus diesem Raks Sharki ein Tanz à la Manis. Sie tanzt übrigens bei dem Quartett mit, und das freut uns alle sehr, denn so oft bekommt man sie in diesen Zeiten nicht mehr zu sehen. Ihre Gruppe Sinam befindet sich übrigens schon in der dritten Generation.
Es wird noch einmal spanisch-klassisch. Der Flamenco-Meister José Manuel Sanchez Morena gibt sich und uns zum zweiten Mal an diesem Abend die Ehre. Diesmal in Begleitung von Gitarrenspieler Daniel de Alcala, der zunächst ein fantastisches, virtuoses Gitarrensolo zum Besten gibt. Dazu klopft José mit den Fingern der einen Hand auf die Handfläche der anderen. Im Folgestück tanzt der Meister mit einem Spazierstock und trommelt rassige Zapateados mit den Füßen in den Boden. Ein tolles Stück.

Iman lebt seit vielen Jahren in Deutschland, stammt aber aus dem Libanon, und das bringt sie uns mit dem Stück „Li Beirut“ nahe, einer zu Herzen gehenden und Gänsehaut erzeugenden Liebeserklärung an ihre Heimat, zu der sie auch singt. Wie wir schon andernorts festgestellt haben, ist von diesem jungen Talent noch sehr, sehr viel zu erwarten.

Ein modernes Tanz-Erlebnis: Ivana Scavuzzo tanzt Michael Jackson im Salsa-Rhythmus. Zum Stück „Billy Jean“ läßt sie sich von Nigel begleiten. Die ungewohnte Bearbeitung des Themas ergibt interessante Energien und Effekte, so daß eine hübsche Collage entsteht. Ivana ist beim nächsten Summer Camp sicher wieder dabei, und eine bessere Werbung für ihre Kurse ist schlicht nicht vorstellbar.

In einem Solo sehen wir jetzt Ida Mahin, und zwar mit einem Tribal Fusion, in den sie alles einbaut, was man so noch nie gesehen hat: Tanura-Drehtanz, Elemente des Derwisch-Tanzes, aber auch fernöstliche Trommeln, kurzum eine Collage aus Stilen und Genres, die beweisen, daß Fusion viel, viel mehr zu bieten hat. 
Manis kommt mit ihrem Markenzeichen, dem Doppelschleier-Tanz, dazu gibt es die Klänge ihrer Lieblings-Musikerin, Lindsey Stirling, hier mit dem Stück „Transcendence“. Atemberaubend und mitreißend beweist uns Manis, wie sehr sie es immer noch draufhat! Der lange Beifall kommt nicht von ungefähr. Das geht einem immer noch unter die Haut.

Ein großartiger Abend, der Appetit gemacht hat und kein Einzelfall bleiben soll. Und tatsächlich haben Dean und Manis inzwischen ja auch beschlossen, dieses Ereignis fortzusetzen. Am
24. Februar 2017 bitten sie wieder ins „Capitol“.

Der Bericht der „Reise der Karawane“ wird in Kürze in dieser Zeitung erscheinen.

Den ersten Block beenden Manis & Gamila in leuchtenden Isis-Flügeln zur Musik „Elements“ von Lindsey Stirling. Uns erwartet eine traumhafte, romantische Reise des weiblichen „Dynamischen Duos“ mit ungewöhnlichen und betörenden Licht-Effekten. Manis und Gamila treten nicht nur schon sehr lange gemeinsam auf, sie haben dem Orientalischen Tanz auch eine ganz eigene weiblich-emotionale Note verliehen.
Homepages:
Manis:
www.manis-tanz.de
Dean's Bistro:
www.deansbistro.de
Ereshkigal
Safira
Marvin Dillmann
Ereshkigal
Ayeris
Latin Soul Company
Elli und Bruno Assenmacher
José Manuel Sanchez Morena
Azad Kaan
Manis & Gamila
Bild oben:
Sol et Luna

rechts: Iman
Nicole & Martina
Kofie da Vibe und Ensemble
Ayeris
Ereshkigal
Latin Soul Company
Bruno und Elli
Sinam
Gamila & Azad Kaan
Ivana Scavuzzo & Nigel
Iman
Bild oben:
Daniel Alcala & José Manuel Sanchez Moreno
Manis
Finale
Ida Mahin
RENDEZVOUS IM „CAPITOL“ - 1.ORIENTAL FUSION GALA

Düsseldorf, 5. Februar 2016
- von Marcel Bieger