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Showberichte
Die Tribal und
Gothic-Tribal-Night

am 12. Februar 2010

Von Marcel Bieger

Fotos: Konstanze Winkler

Ja, jetzt hat die Orientale auch ihr eigenes Tribal-Tanzfest. Warum erst 2010, mag sich die eine oder andere verwundert fragen? Tribal gibt es doch schon ziemlich lange, und selbst Gothic Tribal ist keine Erfindung aus diesem Jahr. Nun, im Gegensatz zu anderen Ländern, wo man stärker zwischen traditionellem Bauchtanz oder Orientalischem Tanz und Tribal/Tribal Fusion trennt, hat es in Deutschland immer eher Veranstaltungen mit beidem gegeben. Anfangs auf OT-Galen auch ein Tribal oder Fusion Stück, dann zwei, dann auch schon mal halbe, halbe. Eher singulär hat es hier und da ganze Tribal-Abende gegeben, erinnert seien vor allem an Asmahan el Zeins „Norddeutsche Tribal Tage“, mittlerweile in der 3. Auflage und damit schon ein eigenes Festival; oder an die „Alles Tribal“-Veranstaltungen in Viersen, obwohl man in der letzten Zeit nicht so recht wußte, wie lange es das noch geben würde.
Nun also auch das tanzhaus.nrw auf seiner Orientale. Wenn das Tanzhaus einen neuen eigenen Themenabend ins Leben ruft, dann muß an selbigem Thema auch was dran sein. Und so können sich die Tribal- und Fusion-Freunde freuen, daß das tanzhaus die kontinuierlich wachsende Bedeutung des Tribal und Fusion nicht nur erkannt hat, sondern auch zu würdigen gewillt ist. Das Tanzhaus ist eher eine Institution als eine Privatinitiative, eher ein Kulturereignis als eine Party mit Tanzeinlagen. Das Haus selbst – eine umfangreiche Anlage mit einer großen und einer kleinen Bühne, zahlreichen Übungs- und Workshop-Räumen, Beleuchtern, Ton-Technikern und sonstigen Bühnenarbeitern, die sich auf ihr Fach verstehen und genau wissen, was für eine Tanz-Darbietung erforderlich ist, um nur das Augenfällige zu nennen – hat sich schließlich mit Leib und Seele dem Tanz verschrieben. Neben dem Orientalischen Tanzfestival – eben der Orientale – feiert man mit ähnlichem Aufwand Afro, Flamenco, Zeitgenössischen Tanz und, und und.
Dafür freuen wir uns jetzt schon auf die kommenden Jahre, in denen das
Tanzhaus seine
ganze Kompetenz aufbieten wird, um alles, was im Tribal und
Tribal Fusion nicht
nur Rang und Namen, sondern auch etwas zu sagen und zu
tanzen hat, auf seine
Große Bühne zu holen. Die Aussichten dafür stehen gar
nicht schlecht, denn der
Tribal-Abend hat nicht nur das Publikum, sondern auch
die Veranstalter geradezu
überwältigt, so daß man dort gar nicht anders kann,
als diese Unterreihe fortzusetzen.

Das zeigt sich nicht zuletzt an der
Gastgeberin: Eine launig lustige Moderatorin
scherzt in aufgeräumter Stimmung mit dem Publikum. Man merkt der
Festivalleiterin Dorothee Schackow, denn niemand anderes führt durch diesen
Abend, die pure Freude darüber an, daß es so gut läuft.
Diese erste Folge unserer Orientale-2010-Rückschau widmen wir uns ganz dem
Tribal-Abend. Damit sollen die anderen 6 Veranstaltungen nicht geschmälert
werden, Muse bewahre!, aber dieser Tanzabend war nicht nur der erste seiner
Art, sondern auch der bunteste, energetischste und wildeste bei dieser Orientale.
Etliche fanden sogar, der schönste. Obwohl nur ein gutes Dutzend Tänzerinnen
auf die Bühne kamen, zeigte diese Show punktgenau, wo der Tribal und der
Tribal Fusion in diesem
Frühjahr 2010 stehen. Allein die Auswahl verdient
Sonderapplaus,
und unser Mitgefühl gilt all jenen, die es dringend verdient hätten,
dort ebenfalls
ihr beachtliches Können zu zeigen, aber zurückstehen mußten, weil
eben nur eine
bestimmte Größenordnung möglich war.
ein Duo (Duo KarMa) und ein Tribe (Shir o Shakar)– und denen wurden zur Verstärkung ein Trio aus Italien (Les Soeurs Tribales) und eine Einzeltänzerin aus den USA (Anasma) beigegeben. Höflicher wäre es natürlich, mit den Gästen zu beginnen, doch gehen wir hier anders herum vor, erst die Deutschen und danach die anderen, um dann zu erkennen, warum diese beiden eine so gelungene Ergänzung dargestellt haben.
Ein Abend, der mit so hohem Anspruch antritt, darf nicht auf Henneth Annun
verzichten. Sie hat nicht den Fusion in Deutschland ins Leben gerufen, aber
hoffähig gemacht, mit ihrer Partnerin
zusammen, aber auch und vor allem als
Solistin. Mittlerweile ist sie im Vintage ange
kommen und setzt für den auch schon
Akzente. In ihrem Solo „Beauty Beats“ zeigt sie
ihre einzigartige Mischung aus
New Orleans Jazz und Orientalischem Tanz. Zum ersten
Mal hören wir darin einen
getragenen Blues, den sie mit Shimmies und Flutters aufpoliert.
Wie bei ihr üblich
kommen Hip Hop und typische Fusion-Musik hinzu. Henneth
bastelt ihre
Musikauswahl selbst zusammen und entwickelt sie, ebenso wie ihren
Tanz,
konsequent und oft atemberaubend von Stück zu Stück weiter.
In ihrem zweiten Beitrag tanzt Henneth Annun mit Sophia Chariarse einen Tsifteteli, einen griechischen Folklore-Tanz, den man nicht oft geboten bekommt. Beide Künstlerinnen beweisen mit dieser Vorführung ihre Verbundenheit mit und ihren Respekt vor den klassischen Orientalischen Tänzen. Sie tanzen exakt und präzise, langsam beginnend und dann schneller werdend, sind überhaupt sehr gut aufeinander eingestimmt. Beide flechten ein kurzes Solo ein, ohne von der griechischen Volksmusik abzuweichen, Henneth bringt Shimmies und Tribalbewegungen hinein, Sophia bleibt etwas bodenständiger und tanzt Balkan.
Bleiben wir bei Sophia Chariarse. Sie gehört zu den Künstlerinnen, die aus dem klassischen OT kommen (ihre Spezialität war und ist das indische Fach) und sich seit einiger Zeit dem Fusion zuwenden. Sie erarbeitet sich ihre Stücke auf philosophischem Untergrund, und baut sie, wie ihre Kostüme übrigens auch, Facette für Facette, Schicht um Schicht zusammen. In ihrem Solo-Beitrag für die Orientale, „Kali’s Dance“, erschafft sie eine Vereinigung von Fusion und Indischem Tanz, findet sie eine Symbiose ihrer beiden Tanz-Quellen. Die Musik stammt von Amon Tobin, und deren mystische Atmosphäre unterstreicht die Eindringlichkeit der Darbietung. Indische Armbewegungen gehen in Hip Hop über und finden den Weg zurück, während die Beine den nötigen Halt zu verleihen scheinen. Kali ist die Göttin der Zerstörung und wird gern als Kriegerin dargestellt, und diesem Ruf gerecht werdend, geht von diesem Tanz eine eigentümliche Wucht aus.
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Kommen wir zu den Beiträgen im einzelnen. Den Schwerpunkt bildeten deutsche Künstlerinnen – 3 Solistinnen (Henneth Annun, Sophia Chariarse und Mariam Ala Rashi),
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ORIENTALE ZEIGT SICH IN IHREM SCHÖNSTEN GEWAND