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Showberichte
Die Tribal und
Gothic-Tribal-Night

am 12. Februar 2010

Von Marcel Bieger

Fotos: Konstanze Winkler

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Einen kometenhaften Karriereschub als Fusion Tänzerin hat Mariam Ala Rashi zurückgelegt, vor allem im Jahr 2009 hat sie sich unermüdlich bis in die erste Reihe vorgetanzt. Dabei ist sie eine ernstzunehmende klassische Bauchtänzerin, die das sogar zum Beruf gemacht hat. Es bereitet ihr ungeheure Freude, ihre solide Ausbildung in Ballett und zeitgenössischen Tänzen spielerisch mit dem klassischen Bauchtanz zusammenzubringen. In ihrem ersten Stück an diesem Abend tanzt sie uns Fusion zu Hip Hop Musik, der einige Tablas und andere Schlaginstrumente einen orientalischen Grundton vermitteln. Hin und wieder gleitet die Musik ins Sphärische über und zeigt an, wie sehr Mariam in ihrem Tanz aufgeht. Sie sagt selbst, daß bei ihr alles Improvisation ist, daß sie danach nicht mehr wisse, was sie im einzelnen getanzt habe.     
In ihrem zweiten Stück („Untitled & Drum Solo“) demonstriert Mariam, wie weit sie auf ihrem Weg der Verschmelzung von Orient- und Ballet-Tanz bereits gekommen ist. Sie präsentiert den Bauchtanz-Standard Trommelsolo mit allen geforderten Bewegungen und Abläufen, bleibt dabei aber auf der Stelle. Nutzen andere Tänzerinnen die ganze Weite der Bühne, bewegt sich Mariam nicht fort und verleiht dem Trommelsolo damit eine Eleganz und Stilvollendung, wie man sie in ihm nie vermutet hätte. Dieses Stück muß schon jetzt als ihr Klassiker gelten.
Zu den Wegbereitern des Tribal Fusion gehört unbedingt auch das Duo Karma,
das 2009 bereits sein 10-jähriges feierte. Sie haben eigentlich immer schon
Fusion getanzt, allerdings auf ihre ganz eigene Weise, der ihnen auch den Ruf
eingebracht hat, die „bösen Mädchen“ des modernen Bauchtanzes zu sein,
zerstören sie doch konsequent liebgewordene Gewohnheiten und verknüpfen
Dinge, auf die man sonst niemals gekommen
wäre. In einem ihrer berühmtesten
Stücke, „Vampiria“,
schildern sie uns einen Tag aus dem Leben eines
Vampirpärchens.
Atemberaubend, wie sie sich am Abend (wenn solche Wesen
aufstehen) entfalten
und wirklich unheimlich ihre Maskerade. Dabei stellt dieses
Stück eigentlich nur
die Vorstellung des Duo Karmas von einem Tanz mit Isis-
Flügeln dar.
Xahira, die eine Hälfte des Duos, zeigt zwei Solo-
Auftritte (Mephista, die andere Hälfte, hat am Vortag
während der Gala einige eigene Beiträge zum
besten gegeben und hält sich heute zurück). Xahira
ist so ziemlich das einzige echten Goth Girl dieses
Abends, dafür tanzt sie das aber für zehn. In ihrem ersten Einzel-Beitrag, „The Belly and the Beast“,
wirbelt sie zur Musik von Apocalyptica in jedem Arm
einen Fächer-Schleier. Das so kraftvoll, als wolle sie
persönlich auf dieser Bühne einen Sturm erzeugen.
Eine ungeheure Energie geht von dieser Darbietung
aus, selbst dann noch, als sie die Nummer in ihrem
gewohnten Shimmie- und Fluttergewitter ausklingen
läßt, ihrem Markenzeichen.
Im zweiten Beitrag, „Lady Winter“, zeigt Xahira die Eindringlichkeit und Inbrunst des Gothic von einer anderen Seite. Unendlich melancholisch, mystisch und umrahmt von schweren gotischer Musik (mit Gesang) schenkt sie uns ein Gesamtkunstwerk, ein weißes Brautkleid (Assoziation Winter-weiß-Braut!) als würde eine Goth-Fürstin vor den Altar treten.
Tribal können alle, klar, aber wenn es um eine Annäherung an den richtigen, echten und originalen ATS geht, dann wird das Personal-Tableau sehr dünn. Zu der knappen Handvoll Gruppen (oder Tribes), die sich mit ATS auseinandersetzen, gehören ganz ohne Frage Shir o Shakar. Dank Manis’ Bemühungen gehört zur Orientale üblicherweise der eine oder andere Ensemble-Tanz. Diesen Part übernimmt heute abend gleich zu Beginn der Show Shir o Shakar mit einem von Flamenco und Zigeunertanz beeinflußten Tribal. Elegant und damenhaft vornehm, aber auch mitreißend schwungvoll und gut gelaunt drehen sich sechs Frauen so selbstverständlich über die riesige Bühne, als wäre diese eigens für sie angelegt worden. Temperamentvoller und mitreißender als mit diesem „The Flying Skirt goes Ailili“ kann man einen so vielversprechenden Abend kaum beginnen.
Im zweiten Beitrag, „Indian Tribal Fusion“, gibt es Tribal mit indischem Einschlag. Zum normalen Tribal-Tanz kommen indische Gesten und Bewegungen, die dem Ganzen etwas geheimnisvoll Elegantes verleihen. Die Verschmelzung – Fusion – wirkt wie aus einem Guß. Im zweiten Teil wird es dann entschieden rockiger, eine weitere gotische Note an diesem Abend durch Industrial Rock, obwohl
Shir o Shakar keine ausgewiesene Goth Truppe sind. Doch auch hier das indische Element, vielleicht noch etwas stärker (es muß sich ja schließlich gegen den musikalischen Widerpart behaupten), und das ganze krönt dieser Tribe mit einem Shimmy-Duo.
Und noch ein drittes Mal erfreuen uns Shir o Shakar an diesem Abend: Zigeunertanz mit Tribal fusioniert, und immer noch originell, lebendig und abwechslungsreich. Im zweiten Teil begleiten sie sich selbst mit Zimbeln, der typische Tribal Schreit- und Drehtanz, den jede gute ATS-Gruppe im Angebot haben sollte, hier mit Fusion-Zutaten veredelt.
Im dritten Teil schließlich zeigen sie uns zu Balkan-verstärkter Melodie, was einen Tribal ausmacht. Und im vierten Teil sind dann endlich alle sieben Shir o Shakar-Damen auf der Bühne und präsentieren uns ATS-Tribal mit allem Drum und Dran. Hier versteht der Zuschauer, warum die Tänzerinnen den energetischen Austausch untereinander so lieben, warum eine ganz besondere Spannung und Atmosphäre zwischen ihnen entsteht, wie es nur der improvisierte Tribal zuwege bringt. Ein Gewinn für diesen Abend, und ein hübscher Einfall, mit solchem Tanz den eigenen Tanz-Kanon ausklingen zu lassen. Und allemal fällt auf, wie elegant diese Frauen sich in Bewegung, Ausdruck und Haltung zeigen.
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ORIENTALE ZEIGT SICH IN IHREM SCHÖNSTEN GEWAND