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Showberichte
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Shaima
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Photos © Konstanze Winkler
An und für sich ist eine Offene Bühne ja nichts Besonderes, und frau findet sie mittlerweile auf jeder besseren Bauchtanz-Veranstaltung. Wenn aber eine Einrichtung wie das „tanzhaus.nrw“ nun einen ganzen Abend für eine solche Leistungsschau freimacht, darf man wirklich neugierig sein. Ersonnen hat diese Form der Nachwuchsförderung und Talentsuche Manis, und sie dem Tanzhaus schmackhaft gemacht, auch das kam von Manis. Tatsächlich bringen die Veranstalter eine bunte Show mit sehr vielen Stilrichtungen, hochmotivierten Künstlern und sehenswertem Niveau zusammen. Der Saal ist fast voll, ebenfalls ein Beleg dafür, daß man sich von einem solchen Ereignis etwas ganz Besonderes erwartet.

13 Solisten und Gruppen geben sich und uns die Ehre, und wie bei einem erstmaligen Durchgang zu erwarten, ist eine Vielzahl von Stilrichtungen vertreten. Wie bei jeder ordentlichen Orientale-Show gibt es auch für diesen Abend, den man englisch „Open Oriental Stage“ nennt, obwohl nur deutschsprachige Bewerber starten, zwei Halbzeiten, und manche der Erwartungsvollen treten zweimal auf. 150 Menschen sind gekommen, diesem Spektakel beizuwohnen. Eine dreiköpfige Jury hat die Auswahl getroffen – Dorothee Schackow, die Festival-Leiterin des Hauses, Vorstandsmitglied und Trommler Bruno Assenmacher und natürlich Manis. Ausschlaggebend für den Auftritt waren Choreographie, Ausdruck, Musikalität und Präsentation. Des weiteren mußte es sich bei den Bewerbern um Amateure handeln (also nicht vom Tanz leben), die nicht Dauergäste auf den diversen Festivals waren und darüber hinaus keine eigene Tanzschule betreiben. Die Eröffnungs-Ansprache übernimmt Dorothee Schackow, danach wechseln sich die Juroren ab.

Wir wollen die Vertreterinnen des klassischen Orientalischen Tanzes und der klassischen Fantasy vorstellen und danach etwas länger bei den Tribal-Vertreterinnen verweilen. Die Gruppe Shaima, bestückt mit sehr jungen Damen, führt flüssig einen Formationstanz mit Schleiern auf. Im zweiten Beitrag gibt es etwas ähnliches, doch diesmal in kleinerer Besetzung und wesentlich romantischer im Vortrag. – Das Duo Nurija & Ferida Damayanti ist ebenfalls zweifach vertreten. Zu Tarantino-Filmmusik aus „From Dusk Till Dawn“ lassen sie gut aufeinander eingespielt die Doppelschleier flattern, im zweiten Beitrag geben sie uns einen feurigen, ausdruckstarken Tango.
Zu zweit schließlich auch Aisha & Asadea, die
uns einen romantischen Doppelschleier mit anschlie-ßendem Trommelsolo kredenzen.
Die junge Solistin Firesnake bietet einen sehr innenzentrierten Drehtanz.
Die reifere Jugend vertritt das Duo Aiowa oue La’a und präsentiert einen
Stocktanz
Laetizia tanzt uns das klassische Doppel, Raks Sharki mit anschließendem Trommelsolo, und das ganz schön leidenschaftlich. – Das Doppelpack auch von Ute Nahrgang in einer sinnlichen Interpretation. – Und schließlich
Tizia auch mit der klassischen Wett- bewerbs-Disziplin, ihr Raks Sharki plus Trommelsolo in einer gelungenen Mischung aus Schmusigkeit und Rasse.
Im letzten Jahr ist Xahira noch selbst beim Tribal-Abend auf der Bühne, in diesem Jahr ihre Eleven am Start. Mädels aus den beiden Stämmen Kalia und Tabora haben sich zu Kalibora zusammengetan. Im ersten Beitrag besuchen wir mit ihnen eine „Egyptian Disco“, in der es dank der Mädels kräftig rockt. Darüber hinaus gefallen die parodistischen Elemente, mit denen sie und ihre Mitverschwörerinnen so gern bei der Show-Reihe „Orient Desaster“ für begeisterte Unruhe sorgen. Zu ihren zweiten Vortrag erscheinen sie mit schwarzen Engels-Flügeln zu düstertem Tribal „See U in Hell“, und im Anschluß daran tanzen sie klassischen Tribal von der ganz rasanten Sorte, auch das nichts für zarte Gemüter.
Das Quartett Benat Amira tanzt ebenfalls traditionellen Tribal, geht denn aber von der gruseligen Sorte an (zu „E nomine“), greifen zu Mitteln des Tanztheaters und stellen ein schwarzes Lacklederkleid in den Mittelpunkt.
Die aus Bonn stammende Jasmin Dohr garniert ihren Tribal Fusion mit tollem Hip Hop und ist überhaupt sehr beweglich und drahtig was auch in einer Einlage deutlich wird, die an afrikanische Stammestänze erinnert. Ihren zweiten Beitrag bestimmen Balkan- und Zigeunertanz. Etwas Flamenco ist auch dabei, und wieder staunt man über ihre sagenhafte Beweglichkeit, selbst in dem kurzen Samba-Zwischenspiel.
Cristina Zegarra läßt sich von Saltillos „Grafting“ zu einem Tribal Fusion begleiten, eine sehr elegische Musik, die schon stark in Richtung Gothic geht, auch wenn der Tanz sich eher anderer Stilmittel – darunter Hip Hop – bedient. Cristinas exakte Bewegungen sind zu loben.
Aus dem schönen Bayern ist Sarina angereist, eine noch recht junge Dame, die aber über sagenhaftes Talent verfügt und deren Fach der Tribal Fusion ist. Da strömen die Bewegungen flüssig, da gehen Stile nahtlos ineinander über, sie fordert alles von sich, und sie tanzt sinnlich wie weiland Josefine Baker. In ihrem zweiten Stück geht es auch bei ihr balkanesischer zu. Sie paßt sich perfekt allen Wendungen der Musik an, und man meint manchmal, es verhielte sich umgekehrt, daß die Musik ihr zu Willen ist. Sie bewegt einzelne Körperpartien so konzentriert, als habe sie den Rest ihrer Gliedmaßen ausgeblendet, ein ungeheures Talent.
Wir haben einen Riesenabend erlebt und hoffen sehr, daß diese Offene Bühne ihre Fortsetzung findet und zum festen Kanon der Orientale gehören werden wird. Wohlgemerkt, es war eine Offene Bühne und kein Wettbewerb. Keine Punktrichter haben Plätze vergeben, und dennoch können alle Auserwählten sich wie mit Ritterschlag geadelt fühlen.
Nach der Show gelang es uns, ein paar Stimmen einiger der glücklichen Teilnehmer einzufangen...
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Shaima
Aiowa oue La'a
Nurija & Ferida Damayanti
Aisha & Asadea
Firesnake
Laetizia
Ute Nahrgang
Tizia
Tribe Kalibora
Benat Amira
Cristina Zegarra
Jasmin Dohr
Sarina (Melanie Baumeister
ORIENTALE 2011 - OPEN ORIENTAL STAGE
Düsseldorf, 6. März 2011, tanzhaus nrw
von Marcel Bieger