Startseite/Aktuelles
zurück zu Showberichte
GEHOBENE STIMMUNG

Zur „Orientale 2010“ in Düsseldorf, II. Teil

von Marcel Bieger
Fotos :André Elbing

KURZ UND KNAPP

Die „Orientale“ gehört zu den größten Festivals des Orientalischen Tanzes und bietet in knapp zwei Wochen sieben bis acht Shows, von denen gut die Hälfte einem Künstler gewidmet ist, der einen ganzen Abend lang Gelegenheit erhält, sein Können unter Beweis zu stellen. In diesem Jahr waren das Sandra Chatterjee aus Indien, Banafshee Sayyad aus Persien/USA und aus Deutschland Beata und Horacio Cifuentes. Dazu kommen die Themen-Shows „Eröffnungs-Gala“, die „Reise der Karawane“ und die „Oriental Lounge“, in welcher hauptsächlich die deutsche Tanz-Szene vertreten ist (letztere hat aber in diesem Jahr pausiert, ist erst im nächsten wieder dabei). Und ganz neu kam in diesem Jahr der „Tribal Abend“ hinzu, genauer die „Tribal und Gothic-Tribal Night“, über die wir in dieser Zeitung bereits ausgiebig berichtet haben.

Ebenfalls im Kommen sind die Vorträge, in diesem Jahr zwei, die natürlich mit Tanz zu tun haben, und in deren intimer Runde man nicht nur einiges vermittelt bekommt, sondern auch mit dem Vortragenden diskutieren kann.

Die Orientale findet im tanzhaus NRW statt (www.tanzhaus-nrw.de), das von einem Verein getragen wird, der einige öffentliche Mittel erhält – allerdings nicht für den Bereich „Orientalischer Tanz“. So gilt es für die Verantwortlichen (Festival-Leiterin ist Dorothee Schackow) jedes Jahr aufs Neue, den goldenen Mittelweg zwischen gehobener Tanzkunst, die ihre Kosten aber nicht unbedingt wieder einspielt, und Zugpferden zu finden, welche die anderen mittragen. Insgesamt ist das bislang hervorragend gelungen, und nicht allein dieser Mischung verdankt das Tanzhaus seinen auch international hervorragenden Ruf. Das Haus in Düsseldorf stellt darüber hinaus den Künstlern die allerbesten Bedingungen zur Verfügung, allein die Tanzfläche im großen Saal ist genauso groß wie der Zuschauerraum. Auch die technischen Voraussetzungen können sich sehen und hören lassen.
ERÖFFNUNGS-GALA
Bei anderen Festivals steht die Gala am Ende, bei der „Orientale“ bildet sie den Anfang. Warum auch nicht, hier dient die Gala als Einstimmung, als Vorschau und Überblick, hier erfährt der Zuschauer, was sich in den nächsten zehn Tagen und sechs bis sieben Shows tun wird, hier kann er sich vom weltweiten Stand der Dinge im Orientalischen und Folklore-Tanz überzeugen. Kein Wunder, daß die Eröffnungs-Gala immer als erstes ausverkauft ist. In diesem Jahr erlebten wir:
Manis, die dienstälteste Tanzlehrerin im OT-Bereich, immer noch sehr aktive Tänzerin und weithin bekannte Choreographin. Sie hatte sich zwar zum diesjährigen Festival eine Knieverletzung zugezogen, hielt ihre insgesamt drei Auftritte aber tapfer durch. Zunächst zusammen mit ihrem Ensemble Sinam, das Schleiertanz, Raks Sharki und Trommelsolo zeigt, doch nicht im üblichen Sinne, sondern alles als Formation getanzt. Bei Manis kommen immer noch ein paar Zutaten hinzu – wie zum Beispiel eine lateinamerikanische Komponente -, und so entsteht ein schmissiger, rassiger Vortrag.
Später sehen wir Manis zusammen mit Gamila mit einem Schwerttanz, besser einem Fusion-Schwert-Paar-Tanz (Musik: Amon Tobin) auf Raks-Sharki-Grundlage. Die beiden umschreiten und umtanzen einander, wissen mit dem Säbel auch mehr anzufangen, als ihn nur auf dem Kopf zu balancieren, und dieser atmosphärisch sehr dichte Tanz wird zusätzlich von den entzückenden Kostümen in den Komplementären Schwarz und Weiß (Entwurf: ShaliSari) unterstrichen.
Nach der Pause eröffnen Ehab Atia, Gamila und Manis den zweiten Teil. Als Trio tanzen sie uns einen Pop-Flamenco auf OT-Basis, der seinen ganz eigenen Charme verbreitet, aber leider ist Manis hier die Überlastung schon deutlich anzumerken, nach dem kurzen Beitrag humpelt sie von der Bühne (zum Zeitpunkt der Niederlegung dieses Berichtes ist das Knie aber wieder auskuriert).
Sinam tanzt allein einen Schwerttanz als Formation, als Fantasy-Stück zu Schwermetall-Musik (Maduro „Juno Wakes“), und so entsteht ein für diese Truppe ungewöhnlich düsteres Meisterwerk.
Gamila führt „Nebtidi“ vor, einen sehr erotisch und elegant vorgetragenen Raks Sharki.
- 1 -
weiter...
zurück zur Tribal-Night...