Startseite/Aktuelles
zurück zu Showberichte
GEHOBENE STIMMUNG

Zur „Orientale 2010“ in Düsseldorf, II. Teil

von Marcel Bieger
Fotos :André Elbing

Ehab Atia führt in seinem Solo-Auftritt ebenfalls eine nicht alltägliche Besonderheit auf: den (männlichen) Stocktanz nämlich. Diese Gattung kennt man fast nur in seiner angeblich parodistischen Form, in welcher Frauen männliches Macho-Gehabe und Prahlen zu veralbern vorgeben. Um mehr darüber zu verstehen, sollte frau sich doch auch einmal das Original anschauen, vor allem, wenn man das Glück hat, es so meisterlich wie in diesem Beitrag vorgeführt zu bekommen. Ehab Atia tanzt uns männliche Lebensfreude und männlichen Spieltrieb, wenn er sich mit einem Stock, später mit zweien, akrobatisch, kunstfertig und handwerklich geschickt auseinandersetzt, wenn die beiden (oder drei) wie ein Tanzpaar miteinander kommunizieren.
Ein Veranstalter wie das tanzhaus und eine Veranstaltung wie die Orientale üben sich auch gern in der Tugend, die Ikonen des orientalischen Tanzes auf die Bühne zu holen und damit den Jüngeren Gelegenheit zu geben, eine von denen zu sehen, die ihnen einst den Boden bereitet haben. In diesem Jahr ist das Wendy Buonaventura, die hierzulande vor allem wegen ihres grundlegenden und immer noch lieferbaren Werkes „Serpent of the Nile“ bekannt geworden ist. Sie tanzt uns zunächst „Salome“, bei ihr ein orientalisches Schreit-Trippeln zu mittelalterlicher Musik, das ein wenig irritiert. Wenn man aber bedenkt, daß die biblische Salome (die von Herodes und dem Haupt von Johannes dem Täufer) eine ganz zentrale Figur ihrer Forschungen darstellt, so ahnt man, daß es ihr hier um die Salome in allen Orienttänzerinnen geht und die darzustellende Epoche beliebig ist.
In ihrem zweiten Beitrag tanzt sie einen auf den ersten Blick normalen Raks Sharki, doch bei ihr kommt der als zartes Liebeslied zum Publikum; eine ungemein dichte atmosphärische und doch auch lebhafte Darstellung
In Indien ist Sandra Chatterjee ein großer Star, und wie schon im letzten Jahr, zeigt sie uns in der Gala einen traditionellen und einen hochmodernen Tanz. Bei ersterem handelt es sich um einen indischen Kuchipudi der aus dem Tanz-Drama Bhama Kalapam resultiert, die Geschichte der eifersüchtigen Braut Krishnas, eine urwüchsige, erdige Darbietung mit dem eigenartigen Gesang, der uns am ehesten vom „Skat“-Gesang im Jazz bekannt ist. – Im zweiten Beitrag tanzt Sandra Chatterjee wie auch im letzten Jahr vor einer Leinwand (vormals war dort eine Kollegin zu sehen, mit der sie sich in einen eigentümlichen und fesselnden Tanz-Dialog begab). In diesem Jahr erscheinen darauf Dias von Händen, Füßen, und einer von Brandwunden gezeichneteten Frau. Zu Flamenco-betonter Musik tanzt Sandra zeitgenössisch, läßt sich auf keinen bekannten Tanzstil zu sehr ein, bewegt sich im Stehen wie im Liegen und öffnet sich mit allem, was ihr Inneres und ihr Äußeres ausmacht.

Die traditionellere Seite bedient Rajaa und zeigt uns in zwei Beiträgen, wie viele Ausdrucks-möglichkeiten im Raks Sharki stecken. Im ersteren tanzt sie ihn elegant und geheimnisvoll, mal eher verträumt, mal eher aufbäumend. Im zweiten Auftritt geht es dann ungestümer, offensiver und raumgreifender zu. Man erkennt jetzt, wie sehr diese Tänzerin vor Energie strotzt.

Saheré & the Up 40ies & Atakan Ozsoy zeigen Folklore aus der Ägäis und der osttürkischen Region um den Van-See, eine sehr fröhliche und türkische Angelegenheit. Die bunten Kostüme tun ein übriges, um den Eindruck zu vermitteln, diese Formation stünde keinen Moment still.
Beliebtes Zubehör bei der Orientale ist
Bruno Assenmacher, der gern mit seinen Gruppen und/oder wie hier und heute mit seiner Frau Ellie auftritt. Bei zwei Kostproben ihres Könnens belegen sie, wie gut sie aufeinander eingespielt sind. Mal erscheinen ihre Klang-formen und –farben geheimnisvoll, einmal sogar düster, dann wieder fröhlich, aber immer lebendig und manchmal sogar wie ein getrommelter Dialog zwischen den beiden.
- 2 -
zurück...
weiter...