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Showberichte
Photos © Rea Frenken
DIE REISE DER KARAWANE, Manis' Projektabend, Sa., 1. März 2014
Den Anfang dieser Show macht dann traditionell der Einmarsch
(siehe Foto oben), nein, nicht der Gladiatorinnen, sondern der Teilnehmerinnen hinter einem hauchdünnen Riesentuch, von vier Frauen gehalten. Und danach geht es los, dann bekommen wir endlich zu sehen, was Manis und ihre Schar im zurückliegenden Jahr geleistet haben.

Zur Eröffnung die Königinnen-Disziplin, einen Raks Sharki, natürlich mit Schleier-Intro und Trommel-Solo. Der geht über in einen anmutig romantischen Schleiertanz, und dann eine von Manis’ Spezialitäten, ein Tango-Oriental, ein toller Kontrast von weichen orientalischen mit strengeren Tango-Bewegungen.

Der Säbel-Tanz darf nicht fehlen, und vorgeführt von einem größeren Ensemble ist das stets ein lohnender, fesselnder Anblick, vor allem wenn die Frauen die Klinge nicht als bloßes Accessoire behandeln, sondern, wie bei Manis üblich, als einen mysteriösen Gegenstand, als einen Gegenstand mit eigener Seele. Und mehr noch, die Tänzerinnen parken den Säbel auf dem Kopf und schalten um auf ein Trommel-Solo. Zur Abrundung einen „burlesque“ zu modernem Swing von den Pussycat Dolls.

Und wieder einen Raks Sharki nach reinem ägyptischen Vorbild, komplett mit dem Trommel-Solo (aber hier weichen die Teilnehmerinnen von der Vorgabe ab, was durchaus gefällt. Oft dabei und immer gern gehört, die Trommelgruppe von Bruno Assenmacher, aber diesmal statt vom Meister selbst von seiner Frau Elli angeführt, und „die macht das gar nicht schlecht“, wie die Zuschauer sich erzählen. „This Time for Africa“ singt Shakira (von CD), und die Damen geben im Ensemble einen wilden Stammestanz voller tollen Ideen.

Gast-Tänzerin Amierah Hazara tanzt einen klassischen Raks Sharki und läßt der ganzen Bandbreite getanzter Gefühlen freien Lauf, wie es in diesem Stil ja zur Kür gehört. Stocktanz und mehr, heißt es nun, wenn die Teilnehmerinnen die Stöcke mal zu Afro- mal zu Trommel-Solo-Rhythmen geschwungen werden. Ein Charleston rundet den ersten Teil des Abends ab, vier als Männer verkleidete Frauen tanzen mit vier Frauen gebliebenen Frauen.

Mit einem Schleiertanz zu lateinamerikanischen Klängen von
Albert Buss geht es in den zweiten Teil.

Flott geht es weiter, wenn Elli rhythmisch und präzise die Tabla bearbeitet. Ein ganz anderer Rhythmus aber ebenso feurig, der Zigeunertanz. Und zurück zu den Lateinamerikanern, genauer gesagt zum Latin-Jazz, für den Shakira steht („Addicted to You“).

Diesmal muß es ohne den liebgewordenen Märchenonkel (früher auch gern eine Märchentante) gehen, die durchgehende und alle musikalischen Abteilungen verbindende Geschichte bleibt aus. Schade, aber so haben wir auch mehr Muße, den tänzerischen Darbietungen unsere Aufmerksamkeit zu widmen. Am besten läßt man den Stift auf dem Notizbuch liegen und sich erst einmal von der Atmosphäre gefangennehmen. Manis’ Schülerinnen – zum Teil schon seit zehn Jahren immer wieder bei ihrer Projektgruppe dabei –sind viel zu gut, um wie bei einer Revue jedes Stück einzeln und isoliert von den anderen zu besprechen. Die „Reise der Karawane“ ist dazu auch viel zu sehr Gesamtkunstwerk, ein durchgehender Tanz voller wunderbarer Choreographien und lediglich in den wechselnden Stilen unterschiedliche Akzente setzend.

Die Grundlage dieser Projekte ist ebenso genial wie einfach: Manis gibt etwa ein halbes Dutzend Genres vor, die von den Teilnehmerinnen am Ende des Projektjahres getanzt werden sollen, auf der „Reise der Karawane“ nämlich, und die andere Hälfte der Beiträge werden von den Damen selbst ausgesucht. Nach dem Motto, „Ich wollte immer schon mal gern … „, teilen sie das Manis mit, und die übt das dann mit ihnen ein, ebenfalls im betreffenden Projektjahr. Manis nimmt sich in der von ihr bestimmten Hälfte die klassischen Genres des OT vor, denn wie sie richtig sagt, sind dies immer noch die Grundlagen all dessen, was unter dem Oberbegriff „Bauchtanz“ zusammengefaßt ist.

Fächerschleier in Kleingruppen von je zwei Frauen mit tollen Tanz-Figuren und –Kombinationen vorgetragen. Es folgt ein Schleiertanz zunächst zu melancholischen Geigen- und Ziehharmonika-Klängen, die im Verlauf aber zunehmend jazziger werden. Dazu wieder tolle Choreographien. Und noch einmal versammelt Elli die Trommelgruppe um sich und läßt die Wände wackeln.

Sandra ist die Tänzerin, die sich schon seit Jahren die wunderbaren Märchen einfallen läßt, welche so vielen Projekt-Shows als Rahmen gedient haben. Ihre tänzerische Vorliebe gehört aber dem Gothic, und zwar der Schwermetall-Abteilung, hier tanzt sie zu ihrer ersten Choreographie. Amierah Hazara jetzt mit einem Bollywood-Stück, daß sie fröhlich und wie unbeschwert darbietet. Wo nimmt diese Frau nur all ihre positive Energie her? Und schon sind wir im großen Finale, und alle kommen auf die Bühne, zu einem popigen und gute Laune verbreitenden Raks Sharki-Ensemble mit Schleier-Eröffnung.

Wieder einmal verging der Projektabend wie im Nu, und wir sind froh, daß „Die Reise der Krawane“ auch nächstes Jahr wieder im Rahmen der „Orientale“ zu sehen sein wird. Der Termin der Aufführung steht auch schon fest, es ist Samstag, der 14. Februar 2015.

Manis, die Choreographin und Projektgruppen-Leiterin, hat in diesen Tagen wieder in den Mauern des „tanzhaus.nrw“ ihr „Oriental Summer Camp“ geöffnet. Einige der Künstler, die auf der Orientale aufgetreten sind, werden dort ihre Kunst als Dozent weitergeben; und die Teilnehmerinnen der „Projektgruppe“ kommen auch immer gern dorthin, denn in den insgesamt 60 Kursen gibt es allerlei ganz Neues, Mittel-Neues und „Ach, das habe ich mir immer ganz anders vorgestellt“-Neues zu erlernen, und wer weiß schon, wozu man das nicht alles im neuen Projektjahr gebrauchen kann?

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Homepage: www.tanzhaus-nrw.de
Homepage Manis: www.manis-tanz.de
Grafische Gestaltung/WebDesign: Konstanze Winkler
ORIENTALE 2014
Düsseldorf, 27.2 - 02.03.2014
von Marcel Bieger

Die Reise der Karawane
mit der Projektgruppe Orientalischer Tanz
unter der Leitung von Manis