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Photos © Konstanze Winkler
Sol et Luna
Gruppe D'Ahab
Anyana
Ida Mahin
Elena Sapega
Tribe Akasha
Ereshkigal
Gudrun Herold
Csilla und Ildikó (Ungarn)
Galeb, Katerina Havelková (CZ)
BellaDonna
Apsara Habiba
Penthesilea
perlatentia
Patricia
Eliran Edery Amar
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DIE GEISTER, DIE ICH RIEF, SIND ALLE GEKOMMEN – YIPPIEH!

Zum 4. Internationalen Tribal Festival
in Hannover

von Marcel Bieger

Zu Anfang gab es nur eine handvoll besonderer Stars („Ariellah“) und viele Tribal-Tänzerinnen aus Hannover und Umgebung. Aber so hat es begonnen, und heute kommen Tribal-Künstler aus aller Herren Länder – und jede Menge Stars. Nicht nur Liebe zum Genre und allen seinen Spielarten haben den mittlerweile sagenhaften Ruf dieses Tribal Festivals begründet, auch die Freizügigkeit in der Auswahl und Zusammenstellung und ebenso das gewisse Etwas, das diese Wochenenden umgarnt. Das Hannoversche Tribal Festival ist spätestens mit Folge 4 zu einem Tribal-Weltereignis geworden.
Es ist dunkel, der Saal ist voll, und schon beginnt das Geschehen auf der Bühne. Den Anfang macht Csilla Pribojszki aus Ungarn, die wir alle noch nicht kennen, aber im Laufe dieses Wochenendes noch kennenlernen werden. Gemeinsam mit ihrer Gruppe Berill belegt sie am Sonntag aus dem Stand den ersten Platz in der Kategorie Gruppe, der neu eingeführte Preis „Tribal Star“ hat seine erste Sensation. Csilla und die ihren treten mehrfach und in unterschiedlicher Besetzung bei den Veranstaltungen des 4. Tribal Festivals auf, und weil diese Beiträge ein gleich bleibende gute Qualität aufweisen, prägt sich der Name ein.
UND ABENDS IN DIE DISCO – die Freitags-Gala
Nun, Csilla tanzt Balkan-Tibal wirklich anmutig und frisch und gern anzuschauen. Und wen wundert’s, liegt ihr so etwas doch im Blut. Ein Start, der uns sofort einstimmt. – Die Gruppe D’Ahab beglückt uns als Mondelfen mit einer dunklen Maduro Fusion. - Sonst eher düsterer Endzeitstimmung verhaftet, kommt Galathea uns heute zu Tribal mit Western-Musik und entsprechend Can Can artig-beeinflußtem Tanz, aber der wäre bei ihr nicht komplett ohne die Galathea-üblichen ganz eigenen Bewegungs-Elemente. Sie schwingt den Schleier, daß man glauben könnte, er sei ihr Rüschenrock; nur mit der Musikauswahl hat Galathea es schon besser getroffen. - Sol et Luna heißt das Duo, daß uns in die Welt des Italo-Western-Tribals entführt. Zu Musik wie von Ennio Morricone wird getribalt, und die Kostüme hätte auch Clint Eastwood getragen, wenn er denn Tribal-Tänzerin gewesen wäre. Die beiden sind das zweite Duo, das aus dem Tribe „Shir o Shakar“ hervorgegangen ist, und wir freuen uns über einen so kreativen Stamm.
Csilla Pribojszki
Galathea
Nach soviel Vergangenheit begleiten wir Ida Mahin gern ins Futuristische. Die Künstlerin aus der Gruppe „Ereshkigal“, die wir ebenfalls noch zu sehen bekommen werden, führt einen eckigen und kantigen Tribal Fusion zu Maduros „Akkadian“ vor, der ganz eigene Maßstäbe setzt. – Der Tribe Akasha hat Indisches – vor allem Bollywood - im Gepäck, mit dem er seinen Tribal auflockert, Skat-Gesang und elektronische Musik, so gut war diese Gruppe noch nie.
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Elena Sapega tanzt besonders gern vor heimischem Publikum, und das merkt man ihr auch heute wieder an. Hier wagt sie Neues, oft auch Experimentelles, wie zum Beispiel mit dem zart eleganten und damenhaft geheimnisvollen Tribal Fusion Walzer des heutigen Abends, in ihrem zweiten Beitrag beweist sie dagegen Feuer und Rasse. Wir werden sie in den beiden kommenden Tagen in einer (mit beidem) korrespondierenden Rolle als Moderatorin bei der Offenen Bühne und im Wettbewerb erleben. - Nach der Pause tritt Anyana auf, mit einem Tribal zu OT oder umgekehrt, oder besser, zu einem zünftigen Trommelsolo mit allem drum und dran! Und das ist eine wirklich gelungene Mischung.
Ereshkigal im Trio und das auf indisch. Weil es mit der Tribal-Integration in den Vortrag auch gut klappt, hat das Stück etwas rundum Exotisches. Was die Damen aus Augsburg noch alles drauf haben, zeigt sich am Sonntag, als sie den dritten Platz bei der Gruppenwertung belegen. – Eigentlich sieht man den Schwerttanz ja eher auf OT-Veranstaltungen, aber daß man die Klinge auch beim Tribal schwingen und artistisch führen, daß man damit Geschichten erzählen und Emotionen ausdrücken kann, beweist uns Gudrun Herold.

Csilla bringt nun eine Kollegin vom ungarischen Tribe Berill mit, Ildiko, und im Duo Tribal-Fusionieren sie. Die beiden passen gut zusammen und gehen gut aufeinander ein; und wie so oft bei diesen Künstlerinnen bildet auch hier das Trommelsolo eine gewisse Grundlage. – Apsara Habiba aus Kürten bringt eine ganz andere Facette ins Spiel, sie interpretiert die Christina Aquilera aus dem Musical-Film „Moulin Rouge“, das Publikum tobt.

Der Stolz Hannovers, die Gruppe Perlatentia zeigt sich nun ihrem Volk und macht aus der Not spielerische Tugend: Weil die Bühne für einen ganzen Stamm wirklich etwas klein ist, lassen die fünf Damen ihren improvisierten Balkan-Tribal auf zwei Ebenen stattfinden, je zwei bis drei von ihnen im Wechsel auf und vor der Bühne. – Nach der Pause ruft Galeb uns alle in den Saal zurück. Die Prager Künstlerin, die in ihrer Heimat eine wichtige Rolle spielt, tanzt uns hier mühelos eine Melange vor, wie man sie nicht alle Tage zu sehen bekommt: Tribal mit lateinamerika-nischem Bossa Nova. Daß sie beides auch im „Rohzustand“ beherrscht, merkt man ihr sofort an. Schade, daß sie später im Wettbewerb etwas weniger Spektakuläres darbietet.

Regelmäßig beim Tribal Festival vertreten sind Arzo und ihre Gruppe Penthesilea, wenn auch in wechselnden Besetzungen. Das Markenzeichen ihrer Vorträge sind eine radikale und differenzierte Herangehensweise an den Tribal, dessen Richtlinien sie beibehalten aber ganz anderes interpretieren. Nur schwarz ist so etwas eigentlich nicht, oder? – Die Vorzeigetänzerin von „Perlatentia“, Patricia, läßt es sich nie nehmen, ein Solo (oder auch deren zwei) vorzuführen, meist komplexe und klug zusammengestellte Tanz-Gebilde auf höchstem Niveau, so auch hier.

Der erste Abend des vierten Tribal-Festivals nähert sich nun rasch seinem Ende: Als vorletzte bevölkern Belladonna mit viel jugendlichem Ungestüm die Bühne. Das jüngste Tribal-Projekt von Apsara Habiba hat offensichtlich eine Menge Spaß. – Und ganz zum Schluß einer der selten zu sehenden Männer in der Szene (er soll nicht der Einzige bleiben, denn am Sonntag bekommen wir Illan) zu sehen. Der bulgaro-israelische Tänzer Eliran Edery Amar zeigt sich mit eigenwilligem Kostüm und ebensolcher Artistik.