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Photos © Konstanze Winkler
Tjarda van Straten (Niederlande)
Allat Dalanda
Berill Tribal Bellydance Group (Ungarn)
Susan Frankovich (Kroatien)
Shaddai
NEAs Tribal
Alea Feuerbach
Anasma (USA/Frankreich)
Maja
Sulayca Soya (Niederlande)
Belladonna
Martina Crowe-Hewett (Kanada/D)
Moderator Ercan Carikci
Ercan und ICONESQUE
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DIE GEISTER, DIE ICH RIEF, SIND ALLE GEKOMMEN – YIPPIEH!

Zum 4. Internationalen Tribal Festival
in Hannover

von Marcel Bieger

Um es gleich vorweg zu verkünden, das Tribal Festival hat endlich sein Zuhause gefunden, nach Zirkuszelt und Haus der Jugend offenbart sich die schöne, im Jugendstil erbaute Turnhalle (dort, wo früher viele der Workshops stattgefunden haben) als ideale Lösung. Platz genug, Akustik gut, Atmosphäre zwischen Improvisation und Profibühne. Bogengänge für die Händler, der Basar bietet räumlich und vom Angebot her Fülle. Was will frau mehr.

        Alle weiteren Veranstaltungen finden hier statt, und niemand bereut es auch nur für eine Minute. Wenn man von außen hineinkommt, weiß man nie, ob gerade ein Wettbewerbs-Beitrag stattfindet, ob jemand vortanzt, ob ein Gala-Akt im Entstehen begriffen ist … hier atmet alles Tanzenergie, und das ist ausgezeichnet so.

Wie schon im Vorjahr und wie auch schon gestern führt Ercan durch die Veranstaltung und macht seine Sache nicht nur gut, sondern auch gewohnt locker. Die Eröffnungsnummer, ein OT-Hip Hop zu einem türkischen Chanson, tanzen Ercan und seine Gruppe ICONESQUE!
FRISCH, FROMM, FRÖHLICH, FREI – ZUM ERSTENMAL IN DER TURNHALLE
- die Samstag-Gala.
Maja aus Berlin erzählt uns eine düstere Geschichte, bis sie plötzlich – pantomimisch – auf ein schweres Motorrad steigt und zum Vibrieren des Motors ihren Bauch Shimmi-Wellen schlagen läßt. Das hat wirklich Klasse (und wird hier in dieser Zeitung bald auch einen eigenen Beitrag wert sein).

Aus den Niederlanden kommt Sulayca Soya und verwöhnt uns mit einem besonders zarten, lyrischen Tribal Fusion mit Harfe, Geige und Baß oder anders ausgedrückt, dem Beats Antique-Stück  „The Lantern". – Mehr Tempo bringen Berill aus Ungarn mit einem fröhlichen und mitreißenden Balkan-Tribal. Und wie schon in anderen Beiträgen von ihnen fließt auch hier etwas Trommelsolo mit ein (siehe Interview mit dieser Gruppe in dieser Zeitung). Das zweite Stück der Gruppe ist etwas langsamerer Balkan Tribal, der sich aber im Laufe des Vortrags in Tempo und Energie deutlich steigert.

Diese Gruppe sehen wir ebenfalls wieder, nämlich am Sonntag, wenn sie in ihrer Kategorie den 2. Platz belegen. - Dann folgen Belladonna, die wir am Vorabend bereits erlebt haben. Jetzt gibt es Zirkusatmosphäre: Wir sehen zunächst eine Tribal-Choreografie, in deren Verlauf die Tänzerinnen in einem Intermezzo artistische Kunststücke vorführen. Eine hübsche Idee, die zeigt, welche Möglichkeiten in dieser Truppe stecken, wenn sie nur alle dabei sind.
Die aus Kanada stammende Wahl-Deutsche Martina Crowe-Hewett hat sich dem Tribal Fusion verschrieben und darin mittlerweile eine derartige Ausdrucksstärke gefunden, daß jeder Auftritt von ihr neue Freude bereitet. Hübsch auch ihr Entrée mit Schirmchen zu einem französischen Musette-Walzer, insgesamt ein Vintage-betontes Stück voller melan-cholischer Romantik. – Ein Star-Gast der ganz besonderen Güte ist Anasma, die es mit ihren Solo-Darbietungen regelmäßig versteht, einen ganzen Saal in ihren Bann zu ziehen, zeigt heute zweimal Höhepunkte ihres Schaffens (sie tritt nach der zweiten Pause ein weiteres Mal auf). In diesem ersten Stück stellt sie als „Prince Charming“ ganz allein mittels Flamenco, Hip Hop und Kampfkunst tänzerisch eine Wirtshausschlägerei dar. Eine hochenergetische Geschichte!
Deutschlands ältester Tribe ist Neas Tribal (seit über 10 Jahren im Geschäft), und sie zeigen lupenreinen ATS und auch, warum Tribal in einem Tribe mehr ist als lediglich acht bis zehn Frauen, die miteinander tanzen. Trotz ATS-Renaissance bekommt man so etwas noch viel zu selten zu sehen. – Nach der Pause zeigt sich die Kroatin Susan Frankovich mit einem unspektakulären Zigeuner Fusion. – Lange Zeit war Shaddai in Deutschlands Südosten tribalig allein auf weiter Flur, das hat sich mittlerweile geändert, aber die Künstlerin mit geprägt. Hier und heute tanzt sie Dark Fusion mit einem Hang ins Balkanesische.
Tribal mit Tempelmystik, das beschert uns nun Allat Dalanda, und im zweiten Beitrag Tribal Fusion indisch, was wie eine Fortentwicklung des ersten Teils wirkt. Dies sind wesentliche Bestandteile des Genres und immer wieder gern gesehen. – Ein artfremder Beitrag folgt, eine Akrobatik-Darstellung mit Hula-Hoop-Reifen von Alea Feuerbach. – Eine der ganz Großen und Kreativen aus den Niederlanden ist Tjarda, die Zeitgenössischen Tanz und Tribal zu konfektionieren versteht und damit nicht nur Spaß, sondern auch ein Kunsterlebnis auf die Bühne bringt.