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Photos © Konstanze Winkler
Anasma (Paris/USA)
Manca Pavli (Slowenien)
Susan Frankovich (Kroatien)
Illan Rivière (Frankreich)
Goondarani
Tjarda van Straten (NL) und Matthias Lauwers (B)
Martina Viewegová (Tschechien)
Arzo
Martha und ihre "student group"
Akram as Akthar
Eliana
Holy Pie (Niederlande)
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DIE GEISTER, DIE ICH RIEF, SIND ALLE GEKOMMEN – YIPPIEH!

Zum 4. Internationalen Tribal Festival
in Hannover

von Marcel Bieger

Aus Irland stammend und seit einiger Zeit in Spanien beheimatet hat Ailbhe Large den Weg zu uns gefunden. Mit vielseitigen Bewegungen erzählt sie uns ihre Geschichte und führt vor, daß Tribal und Fusion auch durch aus mit Eleganz dargeboten werden können.

Und nun eine Spontan-Gruppe, wie wir sie so nicht so bald wiedersehen werden:
Martha Saunders erscheint mit Freundinnen und Schülerinnen zu einem waschechten ATS Tribal. Martha, die bei FCBD getanzt hat, dann nach Deutschland gezogen ist und jetzt (erst einmal) in die USA zurückkehrt, zieht alle Register ihrer Kunst, und die sieben Frauen in ihrer Entourage folgen begeistert.
Viel zu rasch ist wieder Pause, aber es gibt ja noch einen dritten Teil. Eliana, gebürtige Russin und seit einiger Zeit in Deutschland verheiratet, tanzt mit Tribal und Tango ein trauriges Liebeslied aus einer Oper („Camille’s Last Jump“ aus der „Vagabond Opera“), und man merkt ihr Trauer, Schmerz und Leid deutlich an.

Martina Viewegova ist eigens mit ihrem Junior-Stamm und einigen Freundinnen aus Prag angereist. Galeb haben wir gestern schon kennengelernt, Michaela Sladeckova wird am Sonntag bei der Tribal Star Ausscheidung den 3. Platz belegen (Martina selbst den 4.). Sie tribalt höchst anmutig zu Balkan-betontem Tribal und erzählt eine Geschichte, wobei ihr die starke Bühnen-Präsenz sehr zugute kommt.
Noch einmal Anasma, und wir lehnen uns alle zurück, denn wer diese Künstlerin kennt, weiß, daß wir vorhin erst ein Bruchteil ihres Schaffens gesehen haben. Und so erleben wir auch jetzt eine ganz andere Anasma. Sie bezieht ihr Stück auf „Fukushima“. Blind (mit einer Binde vor den Augen) liegt sie wie ein Käfer auf dem Rücken da und schreit gepeinigt und orientierungslos stumm zu konzertanter Geigenmusik. Als sie sich erheben will, bricht sie gleich wieder zusammen, später kann sie sich hochrappeln, doch als sie dann die Augenbinde abnimmt, kennt sie sich erst recht nicht mehr aus.
Wilde Eingeborene mit blanker Blutgier im Blick stürmen nun die Bühne, es sind die Goondarani, Apsara Habibas Kriegerinnen aus ihrer Vorzeige-Truppe, die statt Schwerter zu schwingen je mit zwei Speeren ausgestattet sind und dazu den Tribal tanzen. – Gold im Haar, Gold auf der blanken Haut, Illan aus Frankreich, noch keine zwanzig Jahre alt, wird die Sensation dieses Festivals. Im Handstreich erobert er am nächsten Tag den Publikumspreis, und das gelingt ihm (nicht nur, aber vor allem) durch diesen jetzt zur Aufführung kommenden Tribal Fusion. Obwohl noch etwas Rachel-Brice-lastig erkennt man gleich, welches ungeheures Potential in ihm geweckt werden will. Seitdem wird er überall in Europa und Deutschland herumgereicht, vielleicht ein bißchen zuviel.

Noch einmal Perlatentia, die Science Fiction Musik der 60er und 70er Jahre ausgegraben haben und einen gleich-förmigen Puppentanz darbieten, aus dem sie nach und nach ausbrechen. Im zweiten Stück sind sie aber wieder ganz die alten und zeigen uns eine schwungvolle Tribal-Fusion Choreografie. – Den Abschluß bildet Susan Frankovich
mit einem Tango Fusion.

Tjarda tritt im Duo mit Matthias auf, und dieses im Tribal sehr ungewöhnliche Gespann (Frau und Mann) wird uns hoffentlich noch lange erhalten bleiben. Wieder geht es um Zeitgenössisches und Tribal im Verein, und die beiden Tänzer haben einen ganz eigenen Weg gefunden, das in ihre Form umzusetzen. Sie spiegeln einander im Tanz, aber auf viel komplexere Weise als nur nach links oder rechts ausweichend.
Perlatentia
NACHTRAG

Natürlich verdient auch die Offene Bühne eine besondere Würdigung, weil hier immer noch alles zu finden ist, von ganz unerfahrenen Talenten bis zu längst verdienten Tribal-Ikonen. Und über kurz oder lang ist eine Arbeit über diese Ausdrucksform fällig, in dieser Zeitung, versprochen.

        Der vorzügliche „Tribal Star“-Wettbewerb war uns einen eigenen Artikel wert, der vor einigen Wochen in dieser Zeitung „auf Linie“ ging.

        Beide, Offene Bühne wie Tribal Star verdienen unbedingt und regelmäßig eine Fortsetzung.

Homepage: www.tribal-festival.de
Aus deutschen Landen Akram as Akthar mit einem der auf unseren Tribal-Bühnen selten gewordenen Schwertnummern. Hier haben wir Piratinnen, die zu „Fluch-der-Karibik“-artiger Musik ihre Heldentaten vollbringen. – Gestern noch mit Gruppe, heute unbegleitet auf der Bühne tanzt Arzo ihren Tribal Fusion, der sich aus Heavy Metal, Industrial und ähnlichem speist.

Sulayca Soya war vorhin solo zu bestaunen, nun erscheint sie mit ihrer Gruppe Holy Pie. Der Beitrag ist nett getanzt, ein paar MG-Salven und reichlich Tarnkleidung erzeugen allerdings nicht zwingend einen Anti-Kriegs-Beitrag. – Vielfältigkeit zeichnet hingegen die Tanzkunst von Manca Pavli aus. Dazu tolle Körperbeherrschung und beeindruckende Bühnenpräsenz beim Tsifteteli und dem Tribal zu einem Rock-Titel.
Wir sind, und das schon im vierten Jahr wieder Zeuge des europaweit wichtigsten, buntesten und umfassendsten Tribal-Festivals.

Um auf dem laufenden zu sein und zu bleiben, führt kein Weg daran vorbei, auch im fünften, sechsten bis hin zum (vorsichtig geschätzt) siebzehnten Jahr wieder in die Hannoveraner Turnhalle zu pilgern. Ach was, wir tun es doch wirklich gern und sowieso...
Ailbhe Large (Spanien/Irland)
Der "Turn - Klubb" Hannover