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Ein buntes, fröhliches Wochenende in Offenbach 27.-29. August 2010

von Marcel Bieger und Konstanze Winkler

TRIBAL PASSION

Eine Region macht sich bereit, in höchste Tribal-Ebenen aufzusteigen: Offenbach bei Frankfurt im Ballungsraum Südhessen will es wissen und lädt zu einem großen Tanzwochenende ein, in die Orient Academy von Djamila, wo es erst einmal „Tribal Passion“ geben soll und am folgenden Tag „DJAM Under Je Bon“: Kaeshi mit Djinn und Beatbox Guitar, die bei ihrer Europa-Tournee hier Station machen. Das Studio macht einen guten, eleganten und sehr gepflegten Eindruck, die Räumlichkeiten sind bestens für Parties geeignet, und Parties erwarten uns hier ja auch.

Aber eins nach dem anderen. Eliana, Lehrerin vor Ort, hoch aufstrebender Stern in Deutschland und international in Sachen Belly Dance Evolution von Jillina unterwegs (zunächst in Europa und Afrika, kürzlich aber auch im Fernen Osten, zuerst als eine der Ensemble-Tänzerinnen, in Peking aber bereits als eine der Heldinnen des Stücks) hat sich einiges einfallen lassen und Schülerinnen-Fest mit einem Aufgebot von Tänzerinnen aus der Region vermischt. Wir sind gespannt.

Den Anfang machen Tribe Jawahir mit einem ITS-Tribal, und zeigen, was die Passion im Tribal ausmacht. Sie gefallen durch gute Körperhaltung. Beim zweiten Stück haben sie sich das Lampenfieder weggetanzt und bringen mit viel Schwung einen modern ausgerichteten indisch beeinflußten Tribal.
Ihnen folgt Arisha mit Tribal Fusion der Vintage-Ausrichtung. Die gute Körperspannung und die vielen mondänen und exakten Bewegungen fallen positiv auf.
Mareike, einer der Tänzerinnen aus diesem Haus, von denen man noch viel hören wird, erfreut zimbelnd mit einem Tsifteteli. Sie tanzt mit viel Lebensfreude und Ausstrahlung. –
Nun erwartet uns ein schmissiger Zigeunertanz von Yaiza mit geheimnisvoller Ausstrahlung und einer guten Interpretation dessen, was Passion heißt.
Zaghareet kommen eher von der Peripherie der Region (Karlsruhe) überraschen uns dafür aber mit traumhaften weißen Kostümen und einem feierlich schreitenden Lichtertanz mit einigen Fusion-Elementen, während sie einen Teller mit brennenden Kerzen auf dem Kopf tragen. Später umrahmen zwei Schwertträgerinnen die Gruppe. Im zweiten Stück, zu dem das erste wie ein Vorspiel wirkt, geht es psychedelischer zu, weißer Fusion trifft hier auf Modern Dance-Einfluß zu indisch anmutender Musik. Immer neue Paarungen ergeben sich, die ständig andere Stimmungen erzeugen. Eine intelligente Leistung, die aber auch „Passion“ überträgt.
Wildes Stammestanz-
Getrommel zu Disco-Musik und hypnotischer Basstrommel, daraus macht Trio Neomah Techno Tribal, und als wäre das noch nicht genug, bekommen wir auch noch eine Geschichte erzählt.
Elianas Donnerstagsgruppe „Bittersweet Nightshade“ hat sich ebenfalls für ein Trommelsolo entschieden, trägt den aber als Gruppentanz von Robotern vor. Und wenn daraus ein Formationstanz mit wechselnden Reihen und Figuren wird, ohne das Trommelsolo-
Genre zu verlassen, darf man sich schon verwundert die Augen reiben.
Die letzte Künstlerin vor der Pause, Saahirah, erscheint mit zwei Säbeln auf dem Kopf, und von ihrem eleganten Tanz  - mit Schwertfiguren -geht etwas Geheimnisvolles aus, mehr Fantasy als Mystik, eine gelungene Verkörperung von Kriegerin und Göttin.
Eliana eröffnet den zweiten Teil und läßt sich dazu von ihrem Mann Marko auf dem Klavier begleiten. Er spielt eine freie Improvisation mit Boogie-, Honky Tonky und ähnlichen Bestandteilen, während Eliana ihn dazu fusionär und unter Einsatz ganzer Salven von Shimmies umtanzt. Wenn Marko frei improvisiert, erzählt Eliana eine poetisch melancholische Geschichte vom Verliebtsein. Und wenn Marko dann zum Boogie zurückfindet, wird auch Eliana wilder und leidenschaftlicher, eben „passionierter“. Welche Möglichkeiten noch in diesem Duo stecken mögen …
Wahiba (aus Frankfurt, nicht zu verwechseln mit der österreichischen Künstlerin) mischt geschickt Saidi mit Tribal Fusion, das Ganze auch noch etwas düster untermalt, und diesen Effekt erzeugt Wahiba mit wechselnden Rhythmen und Tempi.
Doppel-Pois zu moderner Musik, traditionelle Führung der Hilfsmittel zu ungewohnten Klängen, ein besonderer Genuß von Melantha.
Und dann bekommen wir es nochmal zu sehen, das wunderbare Stück vom Duo Aakasha al Karma, in dem eine Marionette zum Leben erweckt wird, Mensch und Puppe gemeinsam tanzen und letztere schließlich wieder in Erstarrung fällt. Dieses Stück allein hat dem Steampunk in Deutschland den Boden bereitet, auch wenn die beiden Tänzerinnen daran sicher zuallerletzt gedacht haben
Bühne frei für Fächerschleier, umhüllt von fernöstlicher Eleganz, dargeboten von Asmitah. Das Ganze hat nur scheinbar mit OT zu tun, ist nämlich vielmehr mit Tribal unterfüttert, schafft aber durch seine etwas andere Herangehensweise eine ganz neue Atmosphäre.
Ein neues Projekt von der Mutter der Tribal-Projekte. Gabriella. Das Trio Fusionea präsentiert sich auf seinem ersten Auftritt vor einem größeren Publikum zunächst mit einem nur auf den ersten Blick traditionellen Mittelalter-Tribal, verfremdet ihn aber doch so sehr, daß man schon genauer hinschauen muß. Sie tanzen überhaupt  mit beachtlicher Geschlossenheit und frei von den üblichen Tribal-Kinderkrankheiten. Im zweiten Stück bescheren sie uns Tribal, bei dem man im ersten Moment an ATS denken möchte, doch die drei jungen Damen brechen die Strukturen auf, führen die einzelnen Figuren nur halb aus, lassen auch ab und an ein Stückchen OT einfließen und bringen die Teilstücke in eine neue Ordnung. So gesehen ein Tribal-Tribal-Fusion und würdig der Meisterin, die vor berechtigtem Stolz rot wird.
Als letztes kommt die Dienstagsgruppe „Tuesday Tribal“, die uns eine sehr schöne Tribal (Fusion) Choreographie tanzt und damit das an diesem Abend Gesehene würdig abrundet.
Zum Finale strömt alles nochmal auf die Bühne, tanzen die Künstlerinnen in der Großgruppe und ziehen Frauen aus dem Publikum zu sich auf die Fläche. Ein sehr schöner Abend geht zu Ende, und wir wünschen uns, daß die Passion zum Tribal damit weiter entfacht wird und im neuen Jahr seine Fortsetzung findet. Die deutsche Tribalgeschichte ist um ein wichtiges Kapitel reicher geworden. Eliana und Studioleiterin Djamila sei Dank für diese Initiative.
 Aber es kommt ja noch mehr …
weiter...
Photos, Gafik und Layout: Konstanze Winkler
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Rocken mit Frauen -
TRIBAL PASSION und DJAM UNDER JE’BON