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Showberichte
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THE VIOLET TRIBE, DIE ZWEITE...
Die Premiere ihrer Bühnenshow zum neuen Album „Grand Hotel“

Essen, Rü-Bühne, 18. Juni 2011

von Marcel Bieger
Der Volksmund weiß,  daß die erste Million immer die schwerste ist, Rock-Musiker hingegen kennen das zweite Album als das schwerste. „The Violet Tribe“, seit gut einem Jahr auf den Bühnen und (gut) im Geschäft, haben diese Schwerarbeit auf sich genommen und eine zweite CD vorgelegt. Und um es gleich vorweg zu sagen, die Mühe hat sich mehr als gelohnt.

Das Album trägt den Titel „Grand Hotel“, und daß dabei in unseren Köpfen Bilder auftauchen, ist durchaus beabsichtigt. In vierzehn Bildern, Szenen oder ganz einfach Liedern beflügeln die sechs Mädels und der eine Mann unsere Phantasie und unterhalten auf beste Weise.

Am 18. Juni des Jahres stellte die tanzende Kapelle oder das rockende Tanz-Ensemble im Essener Rü-Theater ihr neues Werk in einer Vorab-Show geladenem Publikum vor und begeisterte es restlos.

Hier ein Bericht über die Show, in welcher naturgemäß der tanzende Teil eher im Vordergrund steht, die CD-Besprechung (wo mehr auf die Musik eingegangen wird) in unserer „hagalla“-Rubrik „CD/DVD/Buch-Tipps“

DIE SHOW

Vorhang auf, die Damen erscheinen, alle mit Gepäck, alle in Kostümen aus der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und alle mit Sonnenbrille. Sie schauen sich um, legen die Brillen und das Gepäck ab und drehen sich zu rockigem Reigen. Diese Ouvertüre trägt den Titel „Schleifchen aus Stahl“, und in seinem Gefolge erscheint Bianca Stücker alias „Cinnamon Star“, um moderierend und überaus unterhaltsam durch die Räumlichkeiten des Grand Hotel, einer Anlage aus der Zeit, als es noch einen Kaiser gab, zu führen. Bianca ist mit der Gabe gesegnet, locker und geistreich durch einen Abend zu führen, sogar durch ihren eigenen, das soll ihr erstmal einer nachmachen. Sie wie auch die anderen auf der Bühne haben sich seit den zarten (doch immer professionellen) Anfängen innerhalb der und zusammen mit der Gruppe deutlich nach vorn entwickelt.
Die Mädels und (der sich stets während der Show im Hintergrund haltende) Oliver beherrschen mittlerweile eine Unmenge Instrumente, sie haben inzwischen auch kleine gespielte Geschichten im Programm, die mal witzig und mal phantasievoll Programmteile miteinander verbinden – besonders Henneth tut sich hier neben Bianca hervor. Ja, sagen wir es ganz deutlich: Die beiden können richtig komisch sein. Die Freunde/Partner/Lebensabschnittgefährten und so weiter der Damen sitzen im Publikum und sind mehr als bloße Claqueure: Sie verschießen Konfetti zwischen die Zuschauer, und sie helfen da aus, wo gerade Hilfe gebraucht wird.
Doch zurück zum Programm: Mariam tanzt im Ballsaal OT, begleitet von Lily am Hackbrett, Henneth gesellt sich dazu, und Mariam verfällt immer mehr ins Ballettöse. Die Duos dieser beiden haben schon auf der letzten Orientale für Aufsehen gesorgt, hier ist es nicht anders.  – In der Gypsy Suite (wie erfahren leider nie, warum ein Grand Hotel, also ein Haus von Ruf sich eine Suite mit einem solchen Namen geben sollte, aber in diesem Haus erwarten uns noch andere Merkwürdigkeiten) erfreut Henneth mit einem tribalgestützten Zigeunertanz.
Wie in Hotels üblich tauchen auch schon einmal ungebetene Gäste auf, nicht anders in diesem Grand Hotel. Zum „Canción del Pirato“, zum Lied des Piraten also erscheint selbiger in Gestalt von Svahara und torkelt mit alkoholbedingter Schlagseite über die Bühne. Er/sie begegnet Henneth, und die beiden tanzen gemeinsam. Es wird auch eine Fahne geschwenkt, selbstredend der „Jolly Roger“.
Unter den Klängen des hier verfremdeten Fahrtenliedes „Bergvagabunden sind wir“ tanzen Henneth und Mariam rockigen Bierzelt-OT (Rockmusik mit Blasmusik). Das Ganze nennt sich Biedermeier.
Und weitere Überraschungen, die man so nie vermutet hat, hält das Grand Hotel bereit. Aber schließlich muß das erste Haus am Platz darauf eingerichtet sein, alle Wünsche zu erfüllen. So verfügt die Anlage auch über einen eigenen Sumpf, und dort geht es „spukhaft“ zu („Spooky, Spooky“ für die englischsprachigen Gäste), vor allem wenn Arzo ihm entsteigt, und sich zunächst wie eine mechanische Puppe ruckt und kantet, sich dann aber dem Hip Hop öffnet.
Vor der Pause führt man uns in die hauseigene Oper (Qual Guerriero), und dort erleben wir fünf der Damen (Arzo zupft derweil wie meist den Baß) in Barock-Kostümen und mit venezianischen Masken, die zu einem höfischen Tanz antreten. Aber sie wären nicht „The Violet Tribe“, wenn das nicht in einen zünftigen Freistil-Tribal ausarten würde. Ganz toll, Bianca singt dazu in der Stimmlage Kontratenor, eigentlich eine männliche Singstimme (die sehr hohe Falsettstimme, die nicht wie eine helle Mädchenstimme klingt), und das beherrscht sie wirklich verblüffend gut. Svahara unterstützt sie nach Kräften mit Altstimme, ein wunderbares Kontra-Duett.
links Bianca Stücker alias "Cinnamon Star" die im Duett mit Svenja Niedergriese (rechts) alias "Svahara Aicanar" singt
Arzo Renz
The Violet Tribe
Ankunft im Grand Hotel...
Henneth Annun tanzt Balkan in der Gypsy Suite
Mariam Ala Rashi im "Ballsaal"
Pirat Svahara Aicanar
Piratenwalzer - Henneth und Svahara
"Herr Biedermeier" - Henneth und Mariam
"Spooky, Spooky" - Henneth Annun und Cinnamon Star gruseln sich...
Hoftanz-Tribal - v.l.n.r: Miss Lily, Henneth Annun, Mariam Ala Rashi
Photos © Konstanze Winkler
Grafik und Layout: Konstanze Winkler